Buscar

Anna Domenge. Der autobiographische Bericht der Sor Ana Domenge.
Al ciudado deElisenda Padrós Wolff.

Anna Domenge.
Der autobiographische Bericht der Sor Ana Domenge.

Al ciudado de Elisenda Padrós Wolff.

Der autobiographische Bericht der Sor Ana Domenge


Vorbemerkung

Ende September 1996 fand an der Universität Freiburg das internationale Kolloquium Schreibkompetenz, Diskurstradition und Varietätenwahl. Das Spanische im 16. und 17. Jahrhundert statt1. Eine der Teilnehmerinnen, Blanca Garí de Aguilera, Professorin der Geschichte an der Universitat Central Barcelona, berichtete über ein Manuskript vom Anfang des 17. Jahrhunderts, dessen Folios von den spirituellen Erfahrungen einer Frau, Ana Domenge aus Perpignan, erzählen. 2

Angeregt durch diesen Vortrag entschloß ich mich, in meiner Magisterarbeit eine Edition des Textes zu wagen, der in den Jahrhunderten seit seiner Entstehung weder eingehend untersucht noch veröffentlicht worden war.3 Und so möchte ich Blanca Garí nicht nur für die Idee zu dieser Aufgabe danken, sondern auch für ihre Unterstützung mit Rat und Tat. Ebenso bedanken möchte ich mich bei Ignasi Baiges, Professor der Paläographie, ebenfalls an der Universitat Central Barcelona, für seine Hilfe bei der Untersuchung des Manuskripts. Und schließlich danke ich auch Alicia Padrós und Markus Biechele für ihre unermüdliche Hilfe beim Korrekturlesen und Formatieren dieser Arbeit, die sich in die folgenden Teile gliedert:

I. die Darstellung des historischen Kontextes, in dem der Lebensbericht der Ana Domenge entstanden ist sowie eine Rekonstruktion ihres Lebenslaufs

II. die Edition des Textes und

III. eine Textanalyse


Teil I


“Por mandado de mi confesor ago escribir esto.”

Mit diesen Worten eröffnet sor Ana Domenge, eine Ordensfrau aus Perpignan, ihren autobiographischen Bericht, dessen Folios von ihren Visionen, Prophezeiungen und Wunderheilungen und einer gründlich fehlgeschlagenen Klostergründung erzählen.

Der Bericht läßt sich einreihen in eine Tradition autobiographischer und biographischer Texte, deren Anfänge auf das Mittelalter zurückgehen und die sich bis weit in die Neuzeit verfolgen läßt, eine Texttradition, die in engem Zusammenhang steht mit einem Phänomen weiblicher Spiritualität, das Gabriella Zarri le sante vive nennt. 4

Diese sante vive sind Produkt und gleichzeitig Modell einer religiösen Frauenbewegung, die höchst heterogene Lebensformen umfaßt und Frauen unterschiedlichster sozialer Herkunft in sich vereint.


Eine der möglichen religiösen Lebensformen für Frauen war das Kloster. Als Nonne war die Frau den Zwängen der Institutionen und deren direkter Kontrolle ausgesetzt. Seit dem Konzil von Trient war zudem die Klausur für Frauenklöster zwingend vorgeschrieben, so daß sie keine Möglichkeiten zu gesellschaftlichem Handeln hatte.

Gleichzeitig genoßen die Nonnen aber auch die Absicherung und den Schutz durch die Institution. Es war aber, alleine schon aus finanziellen Gründen, vielen Frauen versagt, ins Kloster zu gehen; andere wiederum zogen aus freiem Willen zwar risikoreichere, aber auch ungebundenere religiöse Lebensformen vor, sei es als beata5 oder als Terziarin. Die Übergänge zwischen diesen beiden Gruppen sind fließend.

Zunächst zu den beatas:6 Sie stellen keine homogene Gruppe dar, weder was ihre Lebensweise, noch was ihre gesellschaftliche Herkunft angeht. Manche leben alleine oder bei der Familie, manche in kleinen Gruppen, wieder andere formen feste Gemeinschaften, sogenannte beaterios. Viele entstammen den mittleren Gesellschaftsschichten, einige den oberen und nur sehr wenige den untersten. Manche sind ledig, manche verwitwet, manche sogar verheiratet. Viele beaterios wurden von reichen Witwen oder religiös engagierten wohlhabenden (Ehe-)Frauen ins Leben gerufen und finanziert.

In den Lebensentwürfen lassen sich drei Hauptströmungen ausmachen: erstens, die Rückbesinnung auf das evangelische Armutsideal mit einer Betonung der vita activa, die sich in Krankenpflege und Armenbetreuung manifestierte; zweitens, die Orientierung an eremitischen Idealen mit einer starken Betonung der vita contemplativa; und drittens, eine Lebensform, die sich an den Prinzipien der Bettelorden orientierte und die vita contemplativa im Schoße einer informellen religiösen Frauengemeinschaft verband mit einer vita activa im Kontakt zur Außenwelt.

Die jeweilige finanzielle Situation der Gemeinschaft war auch ausschlaggebend dafür, ob die Frauen arbeiten mußten, um ihren Lebensunterhalt zu sichern. Neben der Arbeit in der Krankenpflege wurden in vielen beaterios auch handwerkliche Tätigkeiten wie Seidenspinnerei oder Leinenweberei ausgeübt. Andere beaterios waren wiederum finanziell so gut situiert, daß sie sich ganz der Kontemplation widmen konnten, zum Beispiel in den sogenannten emparedamientos. Die emparedadas lebten in strenger, aber freiwilliger Klausur. Sie suchten sich Häuser, welche direkt an die Kirchenmauer gebaut waren, und ließen sich ein Fenster zur Kirche hin durchbrechen, durch das sie auf den Altar blicken konnten. Auf diese Weise vermieden sie es, das Haus verlassen zu müssen, um in die Messe zu gehen – sie verfügten ja nicht wie die regulären Frauenklöster über eine eigene Kirche. So konnten sie sich, inmitten der Betriebsamkeit der Städte, eine Insel der Beschaulichkeit schaffen.

In der Regel bestand eine Verbindung zu den monastischen Institutionen; viele Frauen trugen ein Ordenskleid oder unterstellten sich der spirituellen Leitung eines bestimmten Ordens, dem sie sich verbunden fühlten, ohne jedoch diesem Gehorsam zu schulden. Die Gelübde, die sie vielfach ablegten, meist das Armutsgelübde, oft das Keuschheitsgelübde, waren privater Natur, die Frauen standen damit nur sich selbst gegenüber in der Pflicht.

Eine Zwischenstufe zwischen der geregelten Welt des Klosters und der ‘anarchischen’ Welt der beatas stellte das Drittordentum dar. Die dritten Orden der Dominikaner und Franziskaner entstanden im 13.

Jahrhundert im Zuge des Anwachsens der religiösen Laienbewegungen, die sich stark an den neuen Idealen der Bettlerorden orientierten. 7 Die Mitglieder dieser Drittordensgemeinschaften, die Terziarinnen und Terziaren, legten die Ordensgelübde ab und unterstanden der spirituellen Leitung des Ordens, lebten aber nicht im Kloster und unterstanden nicht dem Gebot der Klausur. Die dritten Orden waren mit dem hauptsächlichen Ziel gegründet worden, die Laienbewegungen in geordnete Bahnen zu bringen und die häretischen Strömungen, die immer mehr Zuspruch fanden, zu schwächen. Seit Mitte des 16. Jahrhunderts auf dem Konzil von Trient die strikte Klausur für Frauenklöster eingeführt worden war, übernahmen überdies vermehrt beatas und Terziarinnen die angestammten Tätigkeiten der Nonnen im sozialen Bereich, in Krankenstationen, Gefängnissen und Waisenhäusern.

Wie wenig abgegrenzt die Bereiche der beatas und der Terziarinnen waren, belegt die Bezeichnung von Terziarinnen als beatas und von Häusern der Drittordensgemeinschaften als beaterios. Ana Domenge zum Beispiel wird in den Akten der Inquisition beata profesa genannt, sie ist Terziarin und ist aufgrund ihres Gelübdes dem Orden zu Gehorsam verpflichtet. Die Frauen wiederum, die ihr bei ihrer Klostergründung zur Seite stehen, sind ‘echte’ beatas. Der Terziarinnenkonvent Santa Catalina de Sena in Barcelona, der neben dem dominikanischen Männerkloster lag, befand sich in einer Straße, die bezeichnenderweise (auch heute noch) carrer de les beates heißt.


Abgesehen von dem oben geschilderten Umfeld lassen sich für die sante vive die folgenden Gemeinsamkeiten feststellen: 8

Als Vorbilder lassen sich die heilige Katharina von Siena und, speziell in Spanien im 17. Jahrhundert, Teresa von Avila ausmachen.

Die sante vive zeichnen sich aus durch asketische Essensgewohnheiten: über viele dieser Frauen wird berichtet, sie würden sich allein von der Hostie ernähren. Ihre spirituellen Erfahrungen sind in der Regel auch in Zusammenhang mit diesem Eßverhalten zu sehen, das Rudolph Bell treffend mit holy anorexia betitelt hat. 9

Der Umgang mit dem eigenen Körper ist geprägt durch die Selbstkasteiung, die zum Zweck hat, die Leiden Christi am eigenen Körper nachzuempfinden und die in manchen Fällen unvorstellbar grausame autodestruktive Züge annahm.

Im Mittelpunkt der Kontemplation stand im allgemeinen die Marienverehrung und die Passion Christi. In engem Zusammenhang damit ist die Eucharistiedevotion zu sehen: das größte Geschenk war es, jeden Tag die heilige Kommunion empfangen zu dürfen. Visionen, Entrückungen und Ekstasen traten vermehrt nach dem Empfang der Hostie auf.

Oft besaßen die sante vive prophetische und thaumaturgische Gaben und wurden von vielen um Rat und Heilung ersucht und schon zu Lebzeiten als Heilige verehrt.

Wichtigstes Kennzeichen dieser Form der weiblichen Spiritualität ist aber der unmittelbare Kontakt zum Göttlichen. Die Rolle der Kirche als Vermittlerin des Wortes Gottes wird durch diese direkte Kommunikation überflüssig. Daß dies von den kirchlichen Institutionen mit Widerwillen und mißtrauisch aufgenommen wurde, ist nicht weiter verwunderlich.


Insbesondere in Spanien verstärkt sich im Zuge der Gegenreformation und dem damit verbundenen Erstarken der Inquisition, der Druck der Kirche auf alle spirituellen Aktivitäten, die, tatsächlich oder nur dem Anschein nach, von der orthodoxen Linie der Kirche abwichen. 10

Davon betroffen waren zunächst einmal alle außerkirchlichen, laizistischen Zirkel, die sich der direkten Kontrolle durch die Kirche entzogen, vor allem beatas und die sogenannten alumbrados.11

Die Bewegung der alumbrados bestand aus Gruppen von laizistischen und Ordensfrauen und -männern, die sich im privaten Kreis trafen, um über biblische Inhalte und Auslegungen zu diskutieren. Die Grundidee, die diese Menschen verband, war die Überzeugung, daß ein Verständnis der Heiligen Schrift dem einzelnen möglich ist, wenn er vom Heiligen Geist erleuchtet wird. Die Führung in diesen Kreisen hatten zum größten Teil Frauen inne: Isabel de la Cruz wurde als die spirituelle Mutter der Bewegung angesehen, aber auch María Cazalla12 in Guadalajara oder Francisca Hernández in Valladolid waren prägende Figuren. Die Bewegung der alumbrados hatte keine direkte Verbindung zum Protestantismus, wohl aber trug das gesamteuropäische Klima der spirituellen Unzufriedenheit entscheidend zu ihrer Entstehung bei. 1525 erläßt die Inquisition ein Edikt gegen die alumbrados, das sie der Häresie beschuldigt. Die Hauptanklagepunkte sind zum einen die Unterwanderung des Monopols der Kirche in der Auslegung der Heiligen Schrift, zum anderen die Ablehnung der Notwendigkeit der Mittlerrolle der Kirche zwischen Gott und den Menschen. Diese Definition bringt aber nicht nur die in Gefahr, die ihre Spiritualität außerhalb der Institutionen ausleben, sondern schürt auch das Mißtrauen der Kirche in den eigenen Reihen. Sogar bekannte Theologen sehen sich plötzlich mit Inquisitionsprozessen konfrontiert und ihre Werke auf den Index gesetzt. Um den Zugang zur theologischen Diskussion für Laien und Frauen unmöglich zu machen, wurden im Index von 1559 alle volkssprachlichen Übersetzungen der Heiligen Schrift sowie alle volkssprachlichen Gebetsbücher mit einem Bann belegt, darunter auch Werke von so berühmten Theologen wie Luis de Granada, Juan de Avila und Pedro de Alcántara, und später auch die Werke von Teresa von Avila.

Der Häresieverdacht überzog alle Aktivitäten einer nach innen gerichteten Spiritualität. 13 Besonders darunter zu leiden hatten die Mystikerinnen und Visionärinnen. Eine Flut von Prozessen gegen charismatische Frauen war die Folge, denen vorgeworfen wurde, sie seien Betrügerinnen und täuschten ihre spirituellen Erfahrungen nur vor, 14sie seien alumbradas, Protestantinnen oder aber vom Dämon besessen. Dieses Schicksal teilt auch Ana Domenge, der die Inquisition vorwirft, sie stehe mit dem Teufel im Bunde.

Und auch Teresa von Avila, die sich nicht außerhalb der Institution Kirche situiert, wird mehrfach von der Inquisition vorgeladen, auch ihr Leben muß im Lichte dieser spezifischen Situation gesehen werden:

“Uno de los errores más graves hubiera sido tomar como punto de partida, al comenzar a escribir -o al leer- la biografía de Teresa de Jesús, que Teresa terminó siendo proclamada santa por la Iglesia católica, y que no fue condenada por la Inquisición. A lo largo de su existencia esta certeza no existió nunca, toda su vida fue una convivencia permanente con el riesgo. Y esta es la verdad que el biógrafo debe intentar reconstruir.” 15

In dieser Zeit werden auch viele beaterios aufgelöst oder aber mehr oder weniger unter Zwang in reguläre Konvente umgewandelt. 16 Aber auch unter diesen erschwerten Umständen finden sich im 17. und 18. Jahrhundert eine Vielzahl von Frauen, die sich dem Modell der santa viva verschrieben haben.

Das Mißtrauen der Kirche gegenüber weiblicher Spiritualität führte aber auch zu einer erhöhten weiblichen Schreibproduktion: Es war eine gängige Praxis, herausragende Frauen der religiösen Gemeinschaften zur Niederschrift ihrer Erfahrungen anzuhalten. Im besten Fall wurden diese Berichte zu Modellen der von der Kirche geförderten Tugenden. In erster Linie dienten sie aber als ein Instrument der Kontrolle, um die Orthodoxie der Erfahrungen zu gewährleisten. 17 So entstehen eine Fülle von biographischen und autobiographischen Texten. Diese Texte konstruieren einerseits ein weibliches Vorbildmodell, gleichzeitig orientieren sie sich aber auch an den Modellen, die durch vorherige Texte gegeben sind. 18 Auch den Beichtvätern fällt bei der Entstehung solcher Texte eine zentrale Rolle zu, sei es, weil sie den Auftrag zum Schreiben gegeben haben, sei es, weil sie mit ihren Auslegungen der Erfahrungen der Frau das Bild des Textes prägen, oder aber, weil sie sich selber an die Niederschrift einer Vita ihres Schützlings machen. 19 Auch Ana Domenge beginnt ihren Bericht auf Aufforderung des Beichtvaters, und auch ihr Bericht läßt sich in diese Texttradition einreihen.


Der Bericht der Ana Domenge ist, ebenso wie vergleichbare Schriften von religiösen Frauen voll von Formeln, die begründen oder rechtfertigen, warum zur Feder gegriffen worden ist. Diese Rechtfertigungstopoi sind in der Rezeption solcher Texte lange Zeit wörtlich genommen worden, was zu der Klischeevorstellung führte, es handle sich hierbei um ‘Auftragsarbeiten’, die Frauen schrieben nicht aus eigenem Antrieb, ja, sie täten es widerwillig. Das berühmteste Opfer einer solchen Fehlinterpretation war lange Zeit Teresa de Avila. Es mutet seltsam an, daß die Literaturwissenschaft so einmütig Zitate Teresas wie das folgende unreflektiert für bare Münze nahm - obschon sie sie in den Kanon der spanischen Literatur einrechnen, das heißt, sie als Schriftstellerin wahrnehmen:

Buena parte de las características del estilo de Santa Teresa se explica por la circunstancia de que generalmente escribía por mandato o ruego de otras personas. “¿Para qué quieren que escriba? -decía-. Escriban los letrados que han estudiado, que yo soy una tonta y no sabré lo que digo, pondré un vocablo por otro, con que haré daño.”20

Erst in jüngerer Zeit werden ihre Schriften in ihrem gesellschaftlichen Kontext interpretiert, und es ist mehrfach herausgearbeitet worden, daß solche Topoi weder die Wahrheit noch Koketterie, sondern handfeste Notwendigkeit sind: Schreiben war Männersache, und wenn eine Frau schreiben wollte, brauchte sie eine männliche Autorisierung – und das ist bei Teresa de Avila nicht anders als bei Ana Domenge.21


Aus den Akten der Inquisition läßt sich entnehmen, daß Ana Domenge um 1570 in Perpignan geboren wurde. 22 Der autobiographische Bericht setzt mit der Verhaftung Anas durch die Inquisition im Juni 1609 ein. 23

“yo fuy a la santa ynquisiçion el año de 1610 el sabado de la otaba del corpus me fue a buscar a santa catalina el alcayde de la ynquisiçion y me llebo (A1 2r) ” 24

Anlaß für die Anzeige bei der Inquisition ist, daß Ana an einer Frau ein Wunder vollbringen sollte. Als dieses nicht eintritt, wird sie von Ehemann der Frau beim Komissar der Inquisition25 denunziert. Zu diesem Zeitpunkt hält sich Ana gerade zusammen mit ihrem Beichtvater bei den Condes von Canet auf, durch ihre prophetische Gabe aber ist sie dennoch über die Anzeige informiert und erzählt ihrem Beichtvater:

“padre desde questamos aqui en canete {...} me han accusado al Doctor Treuer como a comisario la Inquisicion haziendo instancia que querellasse de mi vida y constunbres diziendo que no era razon que vna muger de[x]asse engañado {...} al mundo. Querian ellos que yo hiziesse vn milagro en vna muger de vno dellos {...} y el vno dellos {...} a escrito vna carta a vn hombre de aqui de canete {...} diziendo desta suerte: Pues dezis que la señora Anna es santa dezilde que haga vn milagro. (F1 95r)”

In ihrer Anklageschrift legt ihr die Inquisition zur Last, möglicherweise einen Pakt mit dem Teufel zu haben:

“Sor Anna Domenge {...} testifficada con deziseys testigos en materia de revelationes, calificados sus dichos por escandalosos, temerarios y sospechosos de pacto y illusion del demonio” 26

Zum Zeitpunkt ihrer Verhaftung lebt Ana in Perpignan im Hause ihrer Schwester als beata. Von dort aus wird sie nach Barcelona in das Gefängnis der Inquisition gebracht, das, wie sie berichtet, eng, dunkel und schmutzig ist. Auch Anas Beichtvater, fray Antoni Darnils, ein Dominikanermönch und Inhaber eines Lehrstuhls an der Universität von Perpignan, also ein letrado, ein ausgebildeter Theologe, der bei der Entstehung von Anas Lebensbericht eine nicht unwesentliche Rolle spielt, wird, wie Ana und wegen ihr, von der Inquisition zur Rechenschaft gezogen und in einem Dominikanerkloster in Barcelona unter Arrest gestellt. Ihm wird vorgeworfen, daß er Anas Vorgehen gebilligt und ihre spirituellen Erfahrungen niedergeschrieben habe,

“Fray Dernills {...} esta recluso en su monasterio por haver escrito y aprobado las dichas revelationes” 27

und überdies andere Leute davon überzeugen wollte, daß es sich bei diesen Erfahrungen um gottgegebene Dinge handle:

“porque {...} dava a entender a otras gentes que eran cosas santas y de Dios de la dicha beata, y que como a otros santos havia hecho semejantes favores que no estava abreviada la mano de Dios para hazer semejantes misericordias a la dicha beata” 28

Ana verbringt ungefähr ein halbes Jahr im Gefängnis. Dort hat sie auch die ersten Visionen, in denen ihr Christus den Auftrag gibt, in ihrer Heimatstadt Perpignan einen Dominikanerinnenkonvent zu gründen, der der Heiligen Katharina von Siena gewidmet sein soll, ein Plan, an dessen Umsetzung sich Ana, kaum daß sie wieder frei ist, auch umgehend macht.

Im Prozeß wird Ana zwar vom Vorwurf der teuflischen Machenschaften freigesprochen, dennoch ist sie der Inquisition weiterhin suspekt, denn sie wird mit der Auflage entlassen, sich in Barcelona in den Convento de las Jerónimas, den Frauenkonvent des Hieronymusordens zu begeben, außerdem wird ihr ein anderer Beichtvater zugeteilt.

“se acordo fuesse depositada en un monasterio de monjas de Barcelona, subjetas al ordinario y se le diesse confessor secular letrado” 29

Antoni Darnils’ Arrest wird aufgehoben, ihm wird aber verboten, Ana weiterhin die Beichte abzunehmen, ein Verbot, an das er sich nicht lange halten wird:

“Y, visto en consulta fue reprendido y mandado que no confessasse a la dicha beata.” 30

Ana kommt also in den Konvent nach Barcelona, in dem sie ungefähr sieben Monate verbringt. Dort macht sie auch die Bekanntschaft von Anamaría López und Petronila Piérez. Anamaría ist die Tochter von Baltasar López, einem wohlhabenden Geschäftsmann, der zwar in Barcelona ansässig, jedoch kein Katalane ist. Petronila Piérez stammt aus Benabarre in Aragón. Sie war nach Barcelona gekommen, um gemeinsam mit Anamaría Nonne zu werden und wurde von Baltasar López wie eine Tochter aufgenommen. Die beiden Frauen sind begeistert von Ana, und als diese ihnen ihre Pläne einer Klostergründung darlegt, äußern sie sofort den Wunsch, in dieses Kloster einzutreten:

“la fueron a ber estas donçellas {...} la vna destas dos donçellas era yja del diçho baltasar lopeç y la otra abia benido a su casa para ser relijiosa que era de benabare y se querian tanto las dos que su padre de la vna llamaba yjas a las dos cuando la fueron a ber a esta sierba de dios la dieron cuenta de {...} que deseaban ser monjas descalças {...} a otro dia que bolbieron las dijo que ella queria fundar vn monesterio de la orden del padre santo domingo de la primitiba regla y ellas la respondieron madre llebenos alla que en cabo del mundo la segiriamos (B1 65r/v)”

So überzeugt Ana Baltasar López, das Geld, das er für die Unterbringung von Anamaría und Petronila bei den Kapuzinerinnen vorgesehen hatte, in ihr Projekt zu investieren. López erklärt sich dazu bereit, und im April 1610 beginnen die Verhandlungen mit dem Dominikanerprovinzial, fray Rifós, über eine Genehmigung für die Gründung. Ana hatte in ihren Visionen einen sehr detaillierten Gründungsauftrag erhalten, und so sollte als Priorin des neuen Konvents die Dominikanerin sor Hipólita Rocabertí aus dem Convent dels Angels in Barcelona nach Perpignan kommen. 31 Rifós steht aber bei drei Dominikanerinnen aus Valencia in der Schuld, denen er versprochen hatte, sie bei der nächsten Klostergründung zu berücksichtigen. Konflikte sind unausweichlich.

Noch im April 1610 Jahr 1610 bittet Ana bei der Inquisition um Erlaubnis, in ihre Heimatstadt zurückkehren zu dürfen, um sich um ihren alten Vater und zwei verwaiste Nichten zu kümmern. Dr. Broquetas, der Beichtvater, der ihr an Darnils’ statt zugeteilt worden war, hatte bei der Inquisition positiv über sie Rechenschaft abgelegt, und so erhält sie diese Erlaubnis auch, allerdings wiederum mit der Auflage, sich von fray Darnils fernzuhalten, eine Auflage, die Ana nicht einhalten wird:

“Y, haviendo estado depositada como siete meses en el monasterio de las Hieronimas desta ciudad y señalandole confessor, en el qual tiempo se ha tenido especial cuydado de entender del dicho confessor y de la priora y monjas de la opession y credito que de la vida de la dicha beata, y va entendiendo, y haviendo hecho en differentes vezes buena relation, y pidiendo dicha beata con mucha instancia que la dexassemos yr a servir a su padre que era hombre viejo y a tener cuenta con unas sobrinas huerfanas ya casaderas, y dando desto parte a Vuestra Señoria, le fue alçado el deposito de su persona dandole licentia para yr a su casa y mandosele que no se confessasse con fray Darnils, con quien antes havia confessado, y señalandole confessor por ahora que fuese docto y clerigo secular. Executose.” 32

Ana Domenge kehrt im September 1610 nach Perpignan zurück. Im Dezember 1610 fährt Darnils nach Barcelona, um Anamaría und Petronila abzuholen, und am 1. Januar 1611 treffen Darnils, Anamaría López, Petronila Piérez und Baltasar López in Perpignan ein. Schon am Stadttor wird ihnen mitgeteilt, Ana sei der Zugang zum Hause ihrer Nichten verwehrt worden; dieses hatte sie als Klostersitz ausgesucht und wollte dort eigentlich mit ihren Gefährtinnen einziehen. Baltasar López ist entrüstet und will seine Töchter sofort wieder mit nach Barcelona mitnehmen, zumal er sich ohnehin nur schweren Herzens von ihnen trennt, da er gerade erst Witwer geworden ist:

“allose tan apesarado y dijo se queria bolber con sus yjas {...} dabalas la culpa a ellas porque tanta gana tenian de dejarle y al confesor daba la culpa (B1 68r/v)”

Doch Ana, die ein sehr einnehmender Mensch mit großer Überzeugungskraft gewesen zu sein scheint, gelingt es, ihn umzustimmen,

“llegados a la casa adonde estaba esta sierba de dios en berla todo lo tubieron por bien enpleado (B1 68v)”

Und so bezieht Ana zusammen mit Petronila Piérez und Anamaría López, ihren Nichten Francisca und Monsarada Costa und einer Bediensteten, die namenlos bleibt, zunächst ein anderes Haus.

Bei der Klostergründung geht so ziemlich alles schief, was schiefgehen kann:

Ana und ihre Gefährtinnen hätten gerne, daß ihr Konvent dem Bischof unterstellt sei, der Dominikanerprovinzial besteht aber darauf, daß sie ihm selber unterstellt seien. Er behauptet Ana gegenüber, die Klosterkirche könne ohne Genehmigung des Bischofs errichtet werden, was den Bischof erbost, der daraufhin die Erteilung der Genehmigung, die eben doch benötigt wird, verweigert, so daß die Frauen unter dem Gerede der Leute in ihrer Ordenstracht durch die Stadt gehen müssen, um die Messe zu besuchen. Damit nicht genug, ist der Bischof schließlich auch noch verärgert über Darnils:

“el obispo estaba disgustado con el confesor que deçia con vna ynformaçion que abia eçho en corte le abia quitado el ser obispo de jirona (B1 73r)”

was zu weiteren Schikanen führt.

Auch beim Hauskauf ergeben sich ungeahnte Schwierigkeiten: nicht nur, daß ein Hausbesitzer zunächst dem Verkauf zustimmt und es sich dann doch wieder anders überlegt; als endlich das passende Haus gefunden ist (das Haus eines Schwagers von Ana, zu dem die Muttergottes Ana in einer Vision geraten hat), durchkreuzt eine plötzliche Geldentwertung die finanziellen Pläne. Dann gibt es ein Gerangel darum, wer die Nonnen aus Valencia abholen soll. Baltasar López ist eigentlich damit beauftragt, aber zuerst kommt seine erneute Heirat dazwischen, dann wird er krank. Überdies versuchen Ana und ihr Beichtvater Darnils weiterhin, das Kommen der ‘Valencianas’, wie sie im Text fast nur und recht abschätzig genannt werden, doch noch abzuwenden, zumal Christus Ana in ihren Visionen mehrmals und recht ironisch prophezeit, daß es mit ihnen kein gutes Ende nehmen wird:

“dijo nuestro señor a su sierba que dijese a su confesor que pues tanta priesa se daba el prior de yr por las monjas y tanta pena la daban que a la fin se cantaria la gloria (B1 74r)”

Diese Verzögerungstaktik wiederum erzürnt den Prior, der es den Frauen untersagt, im Haus die Messe lesen zu lassen, bis die Nonnen angekommen sind.

Mit all diesen Widrigkeiten und Hindernissen zieht sich der Gründungsprozess letztlich von April 1610 bis Dezember 1612 hin, als die Valencianas, nach einer von Krankheiten unterbrochenen Reise, in Perpignan eintreffen und am 18. Dezember, día de Nuestra Señora de la Esperanza, endlich die offizielle Gründung von Anas Kloster stattfindet.

Doch die Schwierigkeiten nehmen kein Ende, im Gegenteil, mit der Ankunft der Valencianas beginnen auch die Streitereien: es fängt an mit dem Ordenskleid Anas, das den Valencianas mißfällt, da es nicht ihrem eigenen entspricht. Dann wiederum sind es die Vorstellungen der Nonnen aus Valencia über den Ablauf des Klosterlebens, die Ana erbosen. Sie hat sich, wie in ihren Visionen vorgegeben, ein Kloster mit strenger Observanz vorgestellt:

“y la dijo su majestad a su sierba {...} que mirase era su santa fundaçion y que era su boluntad santa se guardase la oserbançia del padre santo domingo {...} y questaba la relijion muy defravdada asi en monesterios de frayles como de relijiosas y que asi era su santa bolunta en este monesterio se guardase toda perfeçion y que era su boluntad fuese espejo de toda la relijion y muralla de perpiñan (B1 75r)”

Die Realität aber sieht anders aus:

“no ay nada de relijion en toda la casa ni se guarda nada sino es la canpanica de refitorio (B1 78r)”

Die Valencianas kümmert das nicht, sie sind der Ansicht, daß gesungen und laut gebetet werden müsse, und auch die Bußakte erfüllen sie mehr mit Heiterkeit denn mit Demut. Alle Versuche Anas, sie zum stillen Gebet und zur strengen Observanz zu ‘bekehren’, scheitern:

“la sierba de dios {...} delante de ellas alababa la oraçion santa y deçia lo muçho que a nuestro señor le agradaba y que se alcançaba muçho con ella y que no se podian llamar relijiosos los que no eran amigos de ella y que pusiesen vna [o]ra de oraçion por la mañana y otra por la tarde {...} {las Valencianas} no quisieron benir a esto diçiendo que no era de su relijion oras de oraçion que eso eran cosas de descalços y de françiscos que arto aria que se sigiese el coro y que abia de aber canto (B1 78r)”

Zu guter Letzt verrät Christus Ana in einer Vision auch noch dies:

“que cuando benian diçiendo el sal(b>)mo del misere {...} que lo abian de deçir con muçha deboçion {...} quen acabandolo de deçir se daba vna diçiplina por los que estaban en pecado mortal y que alli las perladas yban deleytandose escarbandose los dientes con ynojo y que no deçian el salmo y que aquello eran deleytes de seglores y no desposas suyas (B1 86r)”

Damit ist das Maß für Ana und ihre Gefährtinnen voll. Im Frühjahr 1613 übergibt Baltasar López dem Dominikanerprovinzial ein Schreiben, das auf die Mißstände im Kloster hinweist. Christus und viele Heilige raten Ana in ihren Visionen wiederholt davon ab, unter den gegebenen Umständen die Ordensgelübde abzulegen. Schließlich trifft der Provinzial im Dezember 1613 in Perpignan ein, um beide Seiten in diesem Konflikt anzuhören. Anas Forderung, zumindest eine der drei Nonnen müsse aus dem Kloster entfernt werden, gibt er nicht nach, und als sich die fünf Novizinnen weigern, unter diesen Umständen die Ordensgelübde abzulegen, wirft ihnen der Provinzial vor, sie wollten ja eigentlich gar keine Nonnen sein:

“començo luego a deçir que bien beya adonde estaba el mal que era que no queriamos ser monjas sino estar beatas (B1 88r)”

Schließlich werden sie unter Androhung der Exkommunion des Klosters verwiesen. Unter Tränen und Wehklagen begeben sie sich in Baltasar López’ Haus (López ist offenbar in der Zwischenzeit nach Perpignan übergesiedelt). Und wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen, denn dieser Skandal bringt Ana und ihre Gefährtinnen nun erst recht ins Gerede.

Auch Antoni Darnils scheint davon nicht unbeschadet geblieben zu sein: wie sich aus den Inquisitonsakten entnehmen läßt, wird er erneut vorgeladen, da er die Auflage mißachtet hatte, Ana Domenge nicht mehr die Beichte abzunehmen. Diese erneute Anzeige ist sicher in engem Zusammenhang mit dem Eklat um Ana zu sehen. Schon vorher scheint sich Darnils aber mit seinem Orden überworfen zu haben (die Querelen um die Klostergründung hatten den Provinzial auch gegen Darnils erzürnt): unbestimmte Zeit vor seiner Flucht nach Frankreich hatte er offensichtlich den Orden gewechselt und war zu den Minimen übergetreten:

“{...} estando arrestado en el conbento de Sant Francisco de Paula desta ciudad, cuyo abito habia tomado dexando el del Sant Domingo” 33

Dort will ihn die Inquisition verhaften, trifft ihn aber nicht mehr an:

“Vuestra Señoria {...} por auto del 4 de marzo 1614 acordo y mando que se le hiziesse la causa al dicho reo, teniendo por carçel al dicho convento de Sant Francisco de Paula {...}. Y porque este reo se ausento y guardo muchos dias faltando desta ciudad y residiendo en Francia, algunos años no se pudo hazer con el la dicha causa” 34

Darnils ist wahrscheinlich schon im Dezember 1614, also kurz nach dem Scheitern Anas, nach Frankreich geflüchtet. Auch von dort aus steht er noch in Kontakt mit Ana, wie die Erwähnung seines Namens in einem an Ana gerichteten Brief von 1615 belegt. 35 1618 kehrt er jedoch reumütig nach Spanien zurück, tritt erneut in den Dominikanerorden ein und stellt sich der Inquisition. Den Vorwurf, entgegen dem Verbot der Inquisition Ana Domenge weiterhin die Beichte abgenommen zu haben, versucht er damit zu entkräften, daß er von seinem Provinzial als Beichtvater für Anas Kloster bestimmt worden sei; und da Ana in dieser Zeit den Status gewechselt hatte und nicht mehr beata, sondern Novizin war, hatte er darin auch kein Problem gesehen. Und überdies habe er nach dem Austritt aus dem Kloster nicht mehr ihre Beichte gehört. Am 18. Februar 1619 wird das Urteil gesprochen, in dem das Beichtverbot erneuert und Darnils für 10 Jahre aus dem Gerichtsbezirk der Inquisition von Katalonien verbannt wird:

“mando que el dicho reo fuese reprehendido en la sala de la audiencia y privado de confessar sacramentalmente a la dicha Anna Domenge por todos los dias de su vida y que no la pueda confessar sin embargo de que para ello tenga licencia de algun superior y sin embargo de que la dicha Anna Domenge mude de estado ni por otro ningun respecto, y que no este de assiento, ni de passo donde la dicha Anna Domenge residiese o estubiese, y que salga fuera de todo el distrito desta Inquisicion por tiempo y espacio de diez años y se de noticia a su Provincial de como se le manda salir del distrito desta Inquisicion.” 36

Aber zurück zu Ana: sie und ihre Gefährtinnen leben nun wieder als beatas in Perpignan. Die Aufzeichnungen berichten von zahlreichen thaumaturgischen Handlungen Anas und von zahlreichen Visionen, in denen ihr Christus weitere Gründungsprojekte, insbesondere die Gründung von conventos de beatas vorschlägt, wo Ana, von den Vorgaben der religiösen Institutionen befreit, endlich ihre Vorstellungen eines wahrhaft kontemplativen und gottesnahen Lebens verwirklichen könnte. Diese Visionen sind sicher ein Produkt der verzweifelten Situation, in der die Frauen sich befinden, aber in ihnen kommt auch die Verbitterung über die negative Haltung der kirchlichen Institutionen gegenüber der intimen, nach innen gerichteten Spiritualität zum Ausdruck.

Das weitere Schicksal Ana Domenges liegt im Dunkeln. 1619 findet sie, in Verbindung mit dem Prozess gegen Darnils, noch einmal Erwähnung in den Akten der Inquisition, doch dann verliert sich ihre Spur.


Teil II


Der Bericht der Sor Ana Domenge ist nicht ediert, er liegt nur im Manuskript vor, dem ms. 1038 der Bibliothek der Universitat Central Barcelona (BUB). Ob noch weitere Versionen des Textes existieren, ist mir nicht bekannt. Es wäre aber durchaus möglich, daß in Perpignan oder auch in Barcelona noch weitere Manuskripte zu finden sind. Vermutlich stammt das Manuskript aus Perpignan und scheint im Zuge der Wirren der französischen Revolution nach Barcelona in das Kloster des Predigerordens Santa Catalina de Siena gelangt zu sein, um von dort, im Zuge der Säkularisierung des Klosterbesitzes, im 19. Jahrhundert in den Besitz der Universität von Barcelona überzugehen.

Es handelt sich bei dem vorliegenden Manuskript um eine Abschrift von einer Hand; ihre Entstehungszeit ist ungefähr für dieselbe Zeit anzusetzen wie die des Textes selber, also für die erste Hälfte des 17. Jahrhunderts. Die verschiedenen Teile des Manuskripts (Hefte und lose Seiten) sind in späterer Zeit zu einem Buch gebunden worden. Die Numerierung der Folioseiten (es wurde jeweils die recto-Seite numeriert) erfolgte mit Bleistift und stammt vermutlich aus unserem Jahrhundert. Das Manuskript verfügt über 167 Folios und damit über 334 Seiten, die in der Regel beidseitig beschrieben sind; eine Vielzahl von Seiten ist jedoch unbeschrieben.


Es lassen sich insgesamt zwölf Hefte von unterschiedlicher Seitenzahl unterscheiden. Die Hefte bestehen aus Bifolios, d.h., mehrere große Folios wurden übereinandergelegt und in der Mitte zusammengefaltet. Das so entstandene Heft wurde am Falz genäht. Die Unterscheidung der einzelnen Hefte bereitet gewisse Schwierigkeiten dadurch, daß sie sehr fest zwischen die Buchrücken gebunden und die Heftmitten in der Regel nicht zu erkennen sind.

Es sind auch einzelne lose Folios in bzw. zwischen den Heften eingenäht

Die Hefteinteilung stimmt zu einem guten Teil mit der Unterteilung in verschiedene Textfragmente überein,37 wobei sich das autobiographische Fragmente A2 (Heft 3 und 4) und die biographischen Fragmente B1 (Heft 5 und 6) und B5 (Heft 8 und 9) über zwei Hefte erstrecken, während sich die Fragmente B4 und E1 das Heft 7, die Fragmente A5 und B6 das Heft 11, die Fragmente A3 und A4 das Heft 12 und die Fragmente E2 bis 5 das Heft 10 teilen.

Es mutet seltsam an, daß hier ein einzelner Bifolio eingefügt sein sollte, obwohl der Text von Fragment B3 seine Fortsetzung findet. Möglicherweise ist bei der, wie oben erwähnt, schwierigen Unterscheidung der Hefte und Einzelfolios ein Fehler unterlaufen.



Das Manuskript befindet sich überwiegend in einem guten Zustand, der aber von Heft zu Heft variiert. So scheint das zweite Heft von einer Maus zerfressen worden zu sein, in der Mitte der Seiten ist ein Loch, das sich, immer kleiner werdend, durch fast das ganze Heft zieht. Ebenso sind die letzten Seiten des letzten Heftes sehr beschädigt. Die letzte Seite, die vermutlich unbeschrieben war, fehlt ganz oder wurde wegen ihrer Schadhaftigkeit entfernt; dies ist auch der Grund dafür, daß die Zählung der Folios im letzten Heft nicht aufgeht, da eine Hälfte eines Bifolios fehlt und sich somit eine ungerade Zahl von Folios ergibt.

Die Tinte, mit der das Manuskript geschrieben ist, hat inzwischen aufgrund des großen Anteils an oxidierenden Substanzen eine hell- bis dunkelbraune Färbung angenommen. Diese Oxidation führt auch dazu, daß das Papier an vielen Stellen durchgerostet ist; die so entstandenen Löcher weisen aber meist die Form des jeweiligen Buchstaben auf und erschweren die Lektüre kaum.


Im Manuskript lassen sich mehrere Hände unterscheiden: die Haupthand, von der der überwiegende Teil des Manuskripts stammt (alle A-, B- und E-Fragmente) und die von mir im folgenden auch Haupthand benannt wird, und die jeweiligen Hände der Textfragmente F1, F2 und F3; überdies finden sich im eigentlichen Text Anmerkungen und Einschübe von anderen Händen (F4, F5, F6).

Das Manuskript ist in der Regel gut leserlich. Die Schrift der Haupthand ist ein Redondilla, ebenso die Schrift von Fragment F4. 38 Sie ist einer der am wenigsten elaborierten Schrifttypen des Manuskripts. Gemeinhin beginnen Schreiblerner mit dieser Schrift, um dann auf andere Schrifttypen überzugehen.

Haupthand (A-, B-, E-Fragmente)


Fragment F4


Die Schrift von Fragment F6 (das vermutlich weit später entstand als die anderen Fragmente) ist eine Humanística cursiva detenida.

Fragment F6


Fragment F3 ist in einer Bastardilla gehalten:

Fragment F3


F1, F2 und F5 sind im gleichen Schrifttyp, einer Humanística cursiva enlazada geschrieben, vielleicht handelt es sich bei F2 und F5 um die gleiche Hand.

Fragment F1


Fragment F2


Fragment F5


Alle diese letztgenannten Schriften sind weit elaborierter als die Redondilla und lassen eher einen gebildeten, schreibgewöhnten Schreiber vermuten.


Die Graphien der Haupthand weisen eine erstaunliche Einheitlichkeit auf. Sogar in den Kopien fremder Texte (E-Fragmente) werden sie im großen und ganzen beibehalten, dort lassen sich jedoch mehr Abweichungen feststellen als im eigentlichen Text. Darüber hinaus wirken die Schreibungen phonetisch orientiert.

Im einzelnen lassen sich folgende ‘Regeln’ des Schreibers oder der Schreiberin unterscheiden, die er oder sie auch nur äußerst selten verletzt:

- Für okklusiv /b/ und frikativ // steht grundsätzlich /b/, mit Ausnahme der Abkürzung /v.r./ (‘vuestra reverencia’) und sehr vereinzelt in den Abschriften fremder Texte (E-Fragmente); /v/ tritt nur alternierend mit /u/ auf, und dies überwiegend im Anlaut

- /h/ wird nur im Affrikat /ch/ geschrieben

- /zeta/39 vor /e/, /i/ immer /ç/

- /zeta/40 vor /a/, /o/, /u/ wird grundsätzlich /ç/ geschrieben, /z/ tritt überhaupt nicht auf

- der Affrikat /t / wird grundsätzlich mit /çh/ dargestellt

- der Frikativ /x/ wird immer mit /j/, der Okklusiv /g/ immer mit /g/ dargestellt

- /r/ tritt, ungeachtet seines phonetischen Wertes als /r/ oder /rr/, nur einfach auf (mit vereinzelten Ausnahmen in der E-Fragmenten)

- nur selten findet sich ein Auslaut-d geschrieben (z.B. ‘salu’ statt ‘salud’)

- die Silben /kwa/ bzw. /kwo/ werden grundsätzlich /cua/ bzw. /cuo/ geschrieben, nie /qua/ bzw. /quo/, /qu/ tritt nur mit dem Lautwert /k/ auf

- keine Konfusion von /ll/ und /y/

- Elision zweier gleicher aufeinanderfolgender Vokale ist häufig auch graphisch festgehalten: /questubo/ für ‘que estuvo’ oder /desto/ für ‘de esto’; häufig auch beim Hilfsverb ‘haber’: /ablado/ für ‘ha hablado’ oder /quediçho/ für ‘que he dicho’. Auch ungleiche Vokale werden manchmal elidiert, z.B. /daqui/ für ‘de aquí’

- der Text ist insgesamt in Kleinbuchstaben gehalten

- Abkürzungen finden sich nur bei ‘que’ /q/ und ‘vuestra reverencia’ /v.r./

Graphische Strukturierung des Textes:

Die autobiographischen und biographischen Textteile weisen nur eine geringe Strukturierung auf.

- Mit Ausnahme einiger weniger Schrägstriche finden sich keine Satzzeichen.

- Die einzelnen Teile sind nicht mit Überschriften versehen, allerdings werden einige mit religiösen Formeln in der Kopfzeile eingeleitet: A1 Fol.1r; B1 Fol. 18r; A2 Fol. 39r; B6 Fol. 107r.

- Fast alle Seiten tragen ein Kreuzzeichen in der Kopfzeile.

- Einige Fragmente tragen eine Jahreszahl auf der ersten Seite, die meines Erachtens von einer anderen Hand stammt: B1 Fol. 18r (1611); A2 Fol. 39r (1612); B2 Fol. 65r (1612); F4 Fol. 89r (1614); B5 Fol. 140r (1615); A4 Fol. 153r (1616).

- Die Texte sind in unsystematischer Weise durch Leerzeilen in Absätze untergliedert; an wenigen Stellen sind Absatzmarker eingefügt.

- Bei den Abschriften fremder Texte durch die Haupthand sind offensichtlich deren Strukturierungen übernommen worden. So finden wir hier Überschriften, durch Absatzmarker oder sogar Numerierung gekennzeichnete Absätze u.ä.


Bei der Transkription des Berichts von Ana Domenge habe ich mich von zwei Hauptkriterien leiten lassen:

Zum einen soll der Text so originalgetreu wie möglich dargestellt werden, um nicht nur die Eigenheiten des Schreibers oder der Schreiberin in bezug auf Orthographie und Textgliederung herauslesen zu können, sondern auch, um gewisse Elemente des Schreibprozesses abzubilden, so z.B. Einschübe, Korrekturen, Streichungen u.ä. Diese Vorgehensweise entspricht überwiegend den Kriterien, die vom Teilprojekt B9 des Sonderforschungsbereiches 321 zusammengestellt und bei der Transkription mehrerer Manuskripte umgesetzt worden sind. 41

Das andere Kriterium, das mit dem ersten eher schwer in Einklang zu bringen war, ist das der Lesbarkeit. Die manuskriptgetreue Darstellung behindert des öfteren den Lesefluß, weswegen gewisse Zugeständnisse bei der Transkription gemacht wurden: so habe ich z.B. an den notwendigen Stellen Trennungsstriche bei den Zeilensprüngen eingefügt, außerdem habe ich versucht, so viele Informationen wie möglich in die Vorbemerkungen aufzunehmen und im kritischen Apparat vor allem solche Informationen zu liefern, die das Verständnis des Textes erleichtern.

Ein Zugeständnis an die Lesbarkeit ist auch die Anordnung der Textfragmente in der vorliegenden Edition: sie folgt nicht der eigentlichen Anordnung der einzelnen Hefte im Buch, sondern inhaltlichen Kriterien, um die Textzusammenhänge deutlich zu machen und das Textverständnis zu erleichtern.


- (kursiv) = durchgestrichene, aber rekonstruierbare Wörter oder Buchstaben werden zwischen runden Klammern und kursiv dargestellt

- (>kursiv) = überschriebene, aber rekonstruierbare Wörter oder Buchstaben werden kursiv zwischen runden Klammern hinter ‘größer-als’-Zeichen gesetzt, z.B. confes(or/)ionario

- [recte] = durch Flecken, oder Löcher bzw. andere Defekte des Papiers unlesbar gewordene rekonstruierbare Buchstaben oder Wörter werden zwischen eckigen Klammern und recte dargestellt.

- (-) (-->) [---] = durchgestrichene, überschriebene oder defektuöse Buchstaben oder Wörter, die sich nicht rekonstruieren lassen, werden durch Bindestriche ersetzt. (-) (->) [-] = ein nicht rekonstruierbarer Buchstabe (--) (-->) [--] = mehr als ein nicht rekonstruierbarer Buchstabe (---) (--->) [---] = mehr als ein nicht rekonstruierbares Wort Bei Mischungen aus lesbaren und nicht lesbaren Buchstaben treten die Bindestriche an die entsprechenden Stellen zwischen den Buchstaben.

- /recte/ = Hinzufügungen werden zwischen Schrägstrichen und recte dargestellt.

- Rhombus = Absatzmarker am linken Textrand

- kreuz = Kreuzzeichen am linken Textrand oder im Text

- // = Schrägstrich / im Text

- (()) = Klammern () im Text (nur bei Fragment F1)

- alle übrigen Satzzeichen wie Punkt, Komma oder Doppelpunkt sind auch als solche transkribiert

- Kursiv: Bei Abkürzungen werden die vorhandenen Buchstaben recte, die Buchstaben der Auflösung der Abkürzung kursiv gesetzt; Bsp. ‘v. pd.’ = ‘vuestra paternidad’. Ersetzungszeichen für Nasale (Strich über der betreffenden Stelle des Wortes) werden ebenfalls in Kursivbuchstaben aufgelöst; Bsp. ‘tiepo’ = tienpo.

- Groß- und Kleinschreibung wird respektiert

- Ersetzungszeichen für Nasale werden grundsätzlich als /n/ aufgelöst, da er weit häufiger geschrieben wird als /m/ (z.B. ‘tienpo’ statt ‘tiempo’, aber auch lat. ‘deun’ statt ‘deum’).

- Bei Hinzufügungen /recte/ wird in der Regel nicht darauf eingegangen, ob sich diese auf der Zeile selbst, darüber oder aber am linken oder rechten Textrand befindet, da diese Information im Falle des vorliegenden Manuskripts keine interessanten Aufschlüsse über den Schreibprozess liefert.

- Gelegentlich ist bei Streichungen oder Defekten bzw. Flecken auf dem Papier nicht auszumachen, ob nun ein ganzes Wort oder aber nur wenige Buchstaben fehlen, deshalb kann die Ersetzung der fehlenden Buchstaben durch Bindestriche (--) oder [---] in der Regel nur annähernden Wert haben.

- Häufig sind einzelne Buchstaben oder Buchstabengruppen mit anderen Buchstaben oder Buchstabengruppen überschrieben. Gerade bei Abschriften sieht es häufig so aus, als ob der Kopist oder die Kopistin in Gedanken schon beim nächsten Wort ist und erst nach dem Schreiben des Wortanfangs merkt, daß das vorherige Wort noch nicht geschrieben ist und dieses dann über die schon geschriebenen Buchstaben schreibt. Nun ergibt sich aber leider häufig der Fall, daß der darunterliegende Buchstabe oder Buchstaben nicht zu lesen sind. Die entsprechende Darstellung wäre dann z.B. ‘(->)relijioso’. Ebenso häufig finden sich einzelne durchgestrichene (-), nicht mehr leserliche Buchstaben. Da der Informationsgehalt dieser leeren Klammern doch recht gering ist, habe ich auf sie verzichtet. Zwar geht so ein Teil der Ikonizität der Transkription verloren, der Lesbarkeit kommt diese Maßnahme jedoch zugute.

- Bei Flecken oder Defekten des Papiers (Darstellung in [eckigen Klammern]) werden Schäden größeren Ausmaßes (z.B. Löcher, die sich durch mehrere Folioseiten ziehen) in einer Fußnote erläutert, bei kleineren Schäden unterbleibt dies.

- Die Zeilenumbrüche des Manuskripts sind übernommen worden. Als zusätzliche, nicht im Manuskript vorhandene Satzzeichen wurden (mit Ausnahme der Fragmente F1, F3 und F6) Trennungsstriche eingesetzt, wenn ein Wort über einen Zeilensprung geht oder wenn ein Wort erst auf der folgenden Folioseite seine Fortsetzung findet. Ebenso habe ich vor das erste Wort auf einer neuen Folioseite einen Trennungsstrich gesetzt, wenn dieses die Fortsetzung eines Wortes der vorherigen Seite darstellt. Zwar stellt diese Maßnahme eine gewisse Manipulation des Originals dar, ich denke aber, sie ist insofern legitim, als sie die Lesbarkeit des Textes entscheidend verbessert.

- An Zeichensetzung ist in den Textteilen, die von der Haupthand geschrieben worden sind, also in den A-, B- und E-Fragmenten, lediglich der Schrägstrich / verwendet. Da seine Setzung unsystematisch erfolgt und unterschiedliche Funktionen übernimmt, habe ich ihn als Doppelschrägstrich // wiedergegeben (der einfache Schrägstrich / ist zur Markierung von Einschüben schon vergeben). Allerdings findet sich daneben, im Fragment E1, eine Art Anführungszeichen, die zum einen tatsächlich als Anführungszeichen zur Einleitung lateinischer Zitate dienen, zum anderen als eine Art Doppelpunkt zur Einleitung von direkter Rede. Der Einfachheit halber habe ich auch diese Zeichen mit dem doppelten Schrägstrich // wiedergegeben. Von den Fragmenten, die von anderen Händen stammen, sind insbesondere F1 und F6, in geringerem Maße auch F3 durch Zeichensetzung gegliedert.

- Die Groß- und Kleinschreibung ist beibehalten worden. Großbuchstaben finden sich lediglich in den Fragmenten F1, F3 und F6, alle übrigen Fragmente sind durchweg in Kleinbuchstaben gehalten.

- Wortabstände bzw. Zusammenschreibungen werden nach heute gültigen grammatischen Kriterien gesetzt, sofern sie nicht ohnehin im Text selber respektiert werden. Zweifelhafte Fälle, in denen sich mehrere Schreibungsmöglichekiten bieten, werden in Fußnoten gekennzeichnet.

- Bei Vokalkontraktionen werden die davon betroffenen Wörter zusammengeschrieben, der fehlende Vokal wird nicht restituiert, auch dann nicht, wenn zwei unterschiedliche Vokale kontrahiert wurden. Schreibungen wie /ablado/, die sowohl als /hablado/ wie auch als /ha hablado/ verstanden werden können, sind nicht in Fußnoten gekennzeichnet, wohl aber Fälle wie /aconteçido/, da hier die Wortgrenze zweifelhaft ist, je nach Interpretation als /ha acontecido/ oder /ha contecido/

- Gewisse Schwierigkeiten bezüglich der Wortgrenzen bergen auch die lateinischen Bibelzitate im Fragment E1, die teilweise ohne Kenntnis der Originaltextstellen kaum zu verstehen sind. Soweit möglich sind die entsprechenden Stellen in Fußnoten wiedergegeben. Zweifelhafte Fälle werden in Fußnoten gekennzeichnet.42

- Die Texte sind zum Teil fortlaufend geschrieben, zum Teil in Absätze untergliedert, die durch Zeilenwechsel oder Leerzeilen, gelegentlich auch durch Absatzmarker oder andere Gliederungselemente gekennzeichnet sind. Die Absätze sind in der Transkription berücksichtigt, neue Absätze sind nicht eingefügt worden. Abstände zwischen Absätzen sind, unabhängig von ihrer Größe, lediglich durch eine Leerzeile reproduziert.

- Der eigentliche Text, also alle A- und B-Fragmente, sind wenig und vor allen Dingen nicht systematisch strukturiert. Wir finden hier keine Überschriften, Absatzmarker sind nur sporadisch und konzentriert auf bestimmte Textfragmente eingesetzt. Eine Kuriosität ist die Verwendung des Kreuzzeichens zur Strukturierung und auch häufig zur inhaltlichen Markierung: es findet sich nicht nur auf der Mehrzahl der Folioseiten zentriert in der Kopfzeile, sondern auch gelegentlich als Absatzmarker am linken Textrand oder als Endmarker, oder, und das ist das Besondere, zur Markierung bestimmter Personen, die den religiösen Institutionen zuzurechnen sind bzw. Christus selber, dann ebenfalls am linken Textrand oder aber mitten im Textkörper. Auf die Reproduktion des Kreuzzeichens in der Kopfzeile habe ich verzichtet, alle übrigen Kreuzzeichen sind an der entsprechenden Stelle im Text eingefügt.

- Die Abschriften fremder Texte, also die Fragmente E1-5, sind viel stärker durch Gliederungselemente strukturiert sind als der eigentliche Text, was auf eine Abschrift aus gedruckten Texten oder sauber geschriebenen Manuskripten deutet. Es finden sich hier zahlreiche abgesetzte Überschriften und sogar Numerierung von Absätzen oder Einrückungen des Textes.

- Die F-Fragmente sind, insbesondere aufgrund ihrer Kürze, kaum strukturiert.

- Eingerückte oder zentrierte Überschriften bzw. die religiösen Formeln, die einige der Fragmente einleiten, werden eingerückt wiedergegeben.

- Im gesamten Manuskript findet sich ein einziger Kommentar am linken Textrand auf Folio 94r 25ss, der eher als Titel zu verstehen ist. Ich habe ihn an seiner ursprünglichen Stelle am linken Textrand belassen.

- Schreibfehler, die m.E. eindeutig nicht auf Unwissen des Schreibers oder der Schreiberin, sondern auf Unachtsamkeit oder Versehen zurückzuführen sind (z.B. sinnlose Wortwiederholungen oder ‘seltsame’ Schreibungen eines Wortes), habe ich in Fußnoten mit /sic!/ gekennzeichnet oder aber die meines Erachtens korrekte Version in Kursivlettern und moderner Graphie angegeben. Dasselbe gilt für Wörter oder Wortverbindungen, die durch ihre ‘seltsame’ Graphie schwer erkennbar sind. Gelegentliche inhaltliche Inkongruenzen des Textes werden in Fußnoten erläutert. Darüber hinaus werden für das Geschehen zentrale Personen des Textes in Fußnoten kurz vorgestellt.


Die Anordnung der einzelnen Hefte deutet darauf hin, daß versucht worden war, sie in eine chronologischer Reihenfolge zu bringen. So tragen einige Fragmente eine Jahreszahl in der Kopfzeile, die aufsteigend von 1611 bis 1616 reicht. Diese Jahreszahlen sind aber von einer anderen Hand geschrieben. Es ist denkbar, daß sie im Zuge der Bindung des Manuskripts zum Buch eingetragen wurden, um die Einordnung der Fragmente zu erleichtern. Die einzelnen losen Seiten hingegen sowie die Textfragmente, die von anderen Händen stammen (und die ich F-Fragmente genannt habe), scheinen überwiegend eher zufällig eingeordnet worden zu sein. Dadurch ergibt sich, daß einige der Texte durch diese losen Seiten unterbrochen werden und einige Folioseiten später erst ihre Fortsetzung finden. Deshalb schien es mir zunächst sinnvoll, zumindest diese Unterbrechungen zu eliminieren und die losen Seiten an anderer Stelle zu plazieren. Darüber hinaus lassen sich die Texte, die von der Haupthand geschrieben sind, deutlich unterteilen in autobiographische Fragmente (von mir A-Fragmente genannt), in denen Ana Domenge in der ersten Person von ihren spirituellen Erlebnissen berichtet, in biographische Fragmente (B-Fragmente), in denen von Ana in der dritten Person erzählt wird sowie Textfragmente, die nichts mit der Biographie Anas zu tun haben und die ich hier als klösterliche Gebrauchstexte klassifiziert habe (E-Fragmente). Theoretisch hätte sich auf diese Weise eine Chronologie von autobiographischen, biographischen Fragmenten sowie eine thematische Gruppe von klösterlichen Gebrauchstexten ergeben müssen. Bei näherem Hinsehen jedoch wurde deutlich, daß die ursprüngliche chronologische Ordnung des Buches erhebliche Mängel und Ungereimtheiten aufwies, was dazu führte, daß ich schließlich die einzelnen Textfragmente in eine gänzlich neue Ordnung gebracht habe, die im folgenden für die einzelnen Textgruppen genauer erläutert werden soll.

Schon das erste autobiographische Fragment, mit dem das Buch beginnt, wirft ein chronologisches Problem auf. Ana hebt an mit den Worten:

yo fui a la santa ynquisiçion el año de 1610 el sabado de la otaba del corpus me fue a buscar a santa catalina el alcayde de la ynquisiçion (A1, 1r)

Dies würde bedeuten, daß Ana Domenge am Samstag der Woche von Fronleichnam, also im Juni 1610 verhaftet und am 25. Januar 1611 freigelassen worden wäre. In den Inquisitionsakten hingegen wird der Prozeß gegen Ana Domenge im Jahr 1609 unter den anhängigen Verfahren geführt und die gegen sie beschlossenen Maßnahmen sind aufgelistet. 43 Dies würde wiederum bedeuten, daß Ana Domenge 1609 verhaftet worden wäre und auch ihr Prozeß in jenem Jahr stattgefunden hätte. Eine Möglichkeit könnte sein, daß der bedingte Freispruch Anas erst 1610 ausgesprochen wurde und sich ihre Datierung auf 1610 darauf bezieht. Denn aus den Inquisitionsakten erfährt man, daß Ana 1610, nach siebenmonatigem Aufenthalt in Barcelona im Konvent der Jerónimas, die Rückkehr nach Perpignan gestattet wird. 44 Aus dem Fragment B1 wiederum läßt sich herauslesen, daß Ana im September 1610 dort eingetroffen ist. Rechnet man zum Zeitpunkt ihrer Freilassung Ende Januar 1610 sieben Monate hinzu, kommt man auf Ende August - diese Zeitrechnung scheint zu stimmen.

Dieses Fragment ist von anderer Hand überschrieben mit der Jahreszahl 1612, die mit den Zeitangaben im Text übereinstimmt. Der Anfang des Textes von Fol. 39r bis 39v Z.13 ist zwar biographisch, die restlichen Folios und somit der überwiegende Teil sind aber in der autobiographischen Perspektive Anas gehalten.

Das Fragment A3 ist von fremder Hand mit der Jahreszahl 1616 überschrieben. Aus dem Text wird ersichtlich, daß sich die besprochenen Vorgänge zwischen August und September abspielen, eine Jahreszahl wird jedoch nicht genannt.

Das Fragment A4 enthält außer der Bemerkung, daß der Beichtvater Darnils im September (ohne Jahresangabe) nach Frankreich gegangen sei, keinerlei Zeitangaben. In Anbetracht der Tatsache, daß dieses Fragment ebenso wie Fragment A3 in Heft 12 geschrieben ist, läßt vermuten, daß beide zur gleichen Zeit entstanden sind, also möglicherweise 1616. Vorausgesetzt jedoch, die These stimmt, daß die Jahreszahlen in der Kopfzeile erst später hinzugefügt wurden, besteht auach die Möglichkeit, daß es sich bei dieser Jahreszahl um einen Irrtum handelt und die Fragmente A3 und A4 wesentlich früher entstanden sind, und zwar aus den folgenden Gründen:

In Fragment A3 trägt Christus, wie auch in vielen anderen autobiographischen und biographischen Fragmenten Ana auf, das in den Visionen Gesehene ihrem Beichtvater Darnils zu erzählen. Wir wissen aber aus den Angaben in Fragment B6 und aus den Akten der Inquisition, daß sich Darnils schon im Dezember 1613 oder Januar 1614 aus Perpignan abgesetzt hat und nun in Frankreich weilt. Demzufolge taucht Darnils in den nach diesem Datum geschriebenen Fragmenten nicht mehr als möglicher Ansprechpartner auf, oder aber es wird explizit auf seine Abwesenheit eingegangen:

y la sierba de dios estaba suspensa como deçia el santo {San Gregorio} lo dijese a su confesor fray darniles porquestaba en françia abia quinçe meses y el santo la dijo escribeselo quen aberselo escrito se lo abras diçho (B6 143v)

Im Fragment A3 wird überhaupt nicht Bezug genommen auf eine eventuelle Abwesenheit Darnils’. Zwar steht Ana auch als Darnils nach Frankreich geflüchtet ist offensichtlich noch in Kontakt mit ihm, wie sich aus dem auf den 15. Januar 1615 datierten Brief (siehe F3) entnehmen läßt, dennoch ist nicht auszuschließen, daß der Text vor dessen Flucht nach Frankreich entstanden sein könnte. Denn zudem bittet Ana im selben Text Christus, als dieser ihr vorschlägt, sie in die Ewigkeit abzuberufen, darum, zunächst die Klostergründung vollenden zu dürfen, um ihre Nichten dort unterzubringen:

esposa mia es mi boluntad que bengas a goçar de toda mi eterna gloria y yo dije señor su boluntad sea cunplida mas ruego y suplico a su dibina majesta que por su misericordia me de tienpo que bea este conbento acabado y a mis sobrinas colocadas y mi esposo jesus me dijo eso ya te lo tengo conçedido (A3 159r)

Wenn Ana sich hier tatsächlich auf die (letztendlich gescheiterte) Klostergründung in Perpignan bezieht (und nicht auf eine der vielen möglichen Gründungen, die Christus in ihren späten Visionen anregt), dann wäre es logisch, daß dieses Fragment in der ‘heißen Phase’ der Klostergründung, also 1612 entstanden wäre.

Die Erwähnung von Darnils’ Reise nach Toulouse im Text A4 schließlich kann sich insofern nicht auf dessen Flucht nach Frankreich beziehen, da diese im Dezember 1613 oder im Januar 1614 stattgefunden haben muß, keinesfalls jedoch im Monat September. Demnach ist es möglich, daß hier eine frühere Reise gemeint ist, die vielleicht im Jahr 1612 oder 1613 stattgefunden hat, da auch darauf Bezug genommen wird, daß die Reliquie, die Darnils von dieser Reise mitbringt, ‘en este conbento’ (A4 167r) aufbewahrt werden soll.

Auffällig ist allerdings, und dies spricht gegen die hier aufgeführte These der frühen Entstehung von A3 und A4, daß in beiden Texten ausschließlich das Wort ‘convento’ verwendet wird, während in allen übrigen Fragmente ausnahmslos von ‘monasterios’ die Rede ist, es also auch im Bereich des Möglichen liegt, daß Ana tatsächlich an einer neuen Gründung arbeitet. Und vielleicht ist mit dem ‘confesor’ ein anderer, namenlos bleibender Beichtvater gemeint, der inzwischen Darnils’ Aufgabe übernommen hat.

Diese beiden Textfragmente bilden je eine selbständige thematische Einheit. Fragment A5 beschreibt die Gespräche, die Ana im Zustand der Entrückung mit der Heiligen Agnes von Montepulciano (ynes poliçiana) geführt hat, in Fragment A6 berichtet der Heilige Galderic Ana in einer Vision über sein Leben. In keinem der beiden Fragmente ist der Zeitpunkt des Geschehens oder der Niederschrift zu erkennen.

Übersicht über die autobiographischen Fragmente

Fragment Folios Thema Zeit
A1 1r bis einschl. 13v(24 Seiten) Verhaftung Ana Domenges durch die Inquisition, Visionen, die sie im Gefängnis der Inquisition erlebt, Entlassung aus der Haft Juni 1609 bis 25. Januar 1610
A2 39r bis einschl. 54v(30 Seiten) Textanfang biographisch. Visionen Anas Dreikönigstag (6. Januar) bis Palmsonntag des Jahres 1612
A3 153r bis einschl. 159r (13 Seiten) Visionen Anas August/September. Überschrieben mit der Jahreszahl 1616, möglicherweise aber, insbesondere wegen der deutlichen Referenz auf Beichtvater Darnils, schon viel früher entstanden (vielleicht 1612
A4 167r bis einschl. 167v (2 Seiten) Geschichte einer Reliquie (eine Kristallphiole mit einer Träne, die Christus bei der Auferstehung des Lazarus geweint haben soll), die Beichtvater Darnils Ana aus einem Konvent in Frankreich mitbringt. Chronologisch nicht einzuordnen. Referenz auf eine Fahrt nach Frankreich von Darnils, möglicherweise aber schon weit früher als seine Flucht dorthin. Die Fragmente A3 und A4 teilen sich dasselbe Heft und sind deswegen vielleicht zur gleichen Zeit entstanden.
A5 136r bis einschl. 139r (7 Seiten) Gespräch mit Agnes von Montepulciano (ynes poliçiana); Zeitlich nicht festgelegt
A6 141r bis einschl. 141v (2 Seiten) Gespräch mit dem Heiligen Galderic (san galderic Zeitlich nicht festgelegt

insgesamt 78 Folioseiten

Das Fragment B1 ist ein Bericht über die Klostergründung Anas. Er setzt 1610 ein mit den Visionen Anas in Barcelona, in denen sie den Auftrag zur Gründung erhält und endet mit dem Eklat, der 1613 dazu führt, daß Ana und ihre Gefährtinnen das Kloster verlassen müssen. Verfaßt oder zumindest begonnen wurde dieser Bericht am 7. März 1614, drei Monate nach Verlassen des Konvents, und mit Sicherheit später als die Fragmente B245 und B3. Ich habe ihn dennoch an die erste Stelle gerückt, da er zum einen die Fragmente B2 und B3 chronologisch umfaßt, zum anderen einen recht guten Überblick über die Vorgänge gibt und damit das Verständnis der darauffolgenden Texte erleichtert.

Eigentlich ergeben sich bei diesem Fragment, das vor allem Entrückungen und thaumaturgische Handlungen Anas in der Zeit zwischen Februar und Dezember 1611 protokolliert, keine Schwierigkeiten in chronologischer Hinsicht, da viele Daten im Text belegt sind. Auffällig ist jedoch, daß diese Daten sich fast ausschließlich auf die Entrückungen beziehen; die Wunderheilungen und die Bestrafung Perpignans durch Gott mittels einer Dürreperiode hingegen, die ungefähr das letzte Viertel des Texts ausmachen, werden zeitlich nicht näher bestimmt.

Dieses Fragment beschreibt die Ratschläge, die verschiedene Heilige Ana im Entrückungszustand für die anstehende Klostergründung erteilen. Die geschilderten Ereignisse spielen sich zwischen April und Mai 1612 ab. Auffällig ist,daß der Text mitten im Satz abbricht.

Der Text berichtet über Wunder und thaumaturgische Handlungen Anas zwischen Januar, nämlich drei Wochen nach dem Verlassen des Klosters, und Juli 1614. Möglicherweise ist er jedoch erst 1615 entstanden, da ein Brief (ein Dankschreiben anläßlich einer Wunderheilung), der im Text ausdrücklich erwähnt ist und an der entsprechenden Stelle eingeheftet ist, auf den 15. Januar 1615 datiert ist.

Das Fragment B5 ist ein Bericht über die Krankheit Anas und über Visionen, in denen ihr weitere Klostergründungen vorgeschlagen werden. Er umspannt die Zeit von Ende Oktober 1614 bis zur Fastenzeit 1615.

Fragment B6 schließlich beschreibt weitere Visionen Anas über die Gründung weiterer Klöster sowie über die Heiligkeit Margaretes von Österreich in der Zeit vom 24. Februar bis 17. September 1615.

Übersicht über die biographischen Fragmente

Fragment Folios Thema Zeit
B1 65 r bis einschl. 88v (48 Seiten) Ausführliche, weitgehend chronologische Erzählung vom Entschluß Anas, ein Kloster zu gründen, die Schwierigkeiten, die sich bei der Gründung und später im Kloster selber ergeben und die schließlich dazu führen, daß Ana und ihre Gefährtinnen das Kloster verlassen. Überschrieben ist das Fragment mit der Jahreszahl 1612. Geschrieben oder zumindest begonnen am 7. März 1614, also drei Monate nach dem Verlassen des Konvents. Die beschriebenen Begebenheiten ereignen sich zwischen 1610 und Dezember 1613
B2 18r bis einschl. 38v (42 Seiten) Der erste Teil protokolliert die Entrückungen Anas; der letzte Teil berichtet vor allem über ihre thaumaturgischen Handlungen 14. Februar bis Dezember 1611; die thaumaturgischen Handlungen sind jedoch nicht datiert. Wahrscheinlich ist dieser Text früher verfaßt worden als Fragment B1.
B3 107r bis einschl. 107v (2 Seiten) Visionäre Gespräche Anas mit Heiligen über die Formalitäten der Klostergründung; der Text bricht unvermittelt mitten im Satz ab. April/Mai 1612. Wahrscheinlich ist dieser Text früher verfasst worden als Fragment B1.
B4 89v bis einschl. 101r (12 Seiten) Bericht über thaumaturgische Handlungen und Wunder Anas. Januar bis 30. Juli 1614. Geschrieben wurde der Text wahrscheinlich erst 1615, da in ihm ein Brief (Fragment F3) erwähnt ist, der auf den 15. Januar 1615 datiert ist.
B5 103r bis einschl. 108v (10 Seiten) Bericht über die Krankheit Anas, Visionen Anas über zukünftige Klostergründungen Ende Oktober 1614 bis Fastenzeit 1615
B6 140r bis einschl. 145v (10 Seiten) Visionen Anas, unter anderem über zukünftige Klostergründungen und über die Heiligkeit Margaretes von Österreich 24. Februar bis 17. September 1615

insgesamt 124 Folioseiten

Die eingeschobenen Texte sind in ihrer ursprünglichen Reihenfolge belassen worden. Auch die Einteilung in Fragmente berücksichtigt die ursprünglichen Texteinheiten: Die Fragmente E2 bis E5 sind durch leere Folioseiten getrennt oder beginnen auf einer neuen Seite, Fragment E1 steht ohnehin an anderer Stelle.

Übersicht über die eingeschobenen Fragmente (Haupthand)

Fragment Folios Thema
E1 92r bis einschl. 94v Memorial del Monasterio, Allegorie eines Klosters
E2 112r bis einschl. 121v Verschiedene klösterliche Gebrauchs-texte
E3 122r bis einschl. 125v Avisos espirituales de la Madre Teresa de Jesús
E4 126r bis einschl. 127r Consejos de santos para andar un alma en la presencia de Nuestro Señor
E5 129r bis einschl. 131v Verschiedene klösterliche Gebrauchs-texte

Es handelt sich bei diesen Fragmenten um Texte, die direkt mit der Geschichte der Ana Domenge zusammenhängen. Fragment F1 beschreibt, wie es zu der Anzeige gegen Ana bei der Inquisition kam und ist somit inhaltlich das früheste Dokument des gesamten Manuskripts, da die Begebenheiten sich vor Anas Verhaftung, also im Jahr 1608 oder 1609 abgespielt haben müssen. Fragment F2 beschreibt eine Vision Anas und eine wundersame Begebenheit in Anwesenheit Anas im September 1613 und wurde möglicherweise von ihrem Beichtvater Darnils verfaßt.

Fragment F3 schließlich ist ein Dankschreiben, datiert auf den 15. Januar 1615, das im Fragment B4 explizit erwähnt ist.

Fragment F4 ist ein Textanfang in sehr ungeübter Handschrift, der zudem durchgestrichen wurde. Auf der folgenden Folioseite 89v, dem Beginn des Fragments B4, ist derselbe Textanfang, diesmal in der gewohnten Schrift wiederholt. Dies läßt vermuten, daß die Entstehungszeit für beide Fragmente dieselbe ist (1614).

Fragment B5 ist eine Anmerkung am Ende des Fragments A2. Es ist nicht auszumachen, ob diese Anmerkung zeitgleich mit B5 oder aber erst viel später hinzugefügt wurde.

Fragment 6 schließlich ist eine bibliographische Anmerkung auf der erste Seite des Manuskripts, die von anderer Hand und mit Sicherheit in späterer Zeit hineingeschrieben wurde.

Übersicht über die eingeschobenen Fragmente von fremden Händen

Fragment Folios Thema
F1 95r Biographisches Fragment:Wie es zur Anzeige gegen Ana Domenge bei der Inquisition kam. Wahrscheinlich 1609
F2 96r/v Biographisches Fragment: Visionen Ana Domenges im September 1613
F3 100r Brief: Dankschreiben für die Wunderheilung einer Frau durch Ana Domenge Datiert auf den 15. Januar 1615. Erwähnt im Fragment B4
F4 89r Textanfang von B4 (89v). Entstehung gleichzeitig mit der Entstehung von Fragment B4 (1614
F5 54v Anmerkung zum Text. Zeitlich nicht festzumachen
F6 1r Bibliographische Anmerkung zur Biographie Ana Domenges Entstehungszeit später als die des Manuskripts, möglicherweise im Zuge der Bindung zum Buch


Fragmente A1, A2, A3, A4, A5, A646


Fragmente B1, B2, B3, B4, B5, B647


Fragmente E1, E2, E3, E4, E548


Fragmente F1, F2, F3, F4, F5, F649


Teil III


In dieser Hinsicht gibt es zwei Fragen, die der Klärung bedürfen: Handelt es sich bei dem Manuskript tatsächlich um eine Abschrift? und Von wem ist diese Abschrift erstellt worden?

Wenden wir uns zunächst einmal der ersten Frage zu. Für eine Abschrift spricht in erster Linie die Tatsache, daß der gesamte Text äußerst sauber und sehr einheitlich geschrieben ist. Es finden sich, gemessen an der Länge des Textes, sehr wenige Korrekturen, und viele dieser Korrekturen lassen darauf schließen, daß der Schreiber oder die Schreiberin beim Abschreiben in der Zeile verrutscht ist, wie die folgenden Beispiele dokumentieren:

“ el dia de santa polonia me yço mi esposo jesus esta misericordia al segundo toque del abemaria (de comunicarme los dones todos de la oraçion que tenia) me tiro çinco fleçhas de amor por la deboçion que tenia a las çinco rosas preçiosas de nuestra señora santisima del roser y por la deboçion que tengo a su pureça y linpieça y el señor por su misericordia me yço merçed de comunicarme todos los dones de la oraçion que tenia santa ynes poliçiana y yo dije jesus (A2, 43v) ”

“ my preçiosa madre me ruega que llueba por los alimentos (esposa mia) bolbiendo yo a rogar a su dibina majestad no mirase los pecados sino que los perdonase y llobiese me dijo el señor esposa mia ya la ylesia santa les representa cada año los cuarenta dias que yo estube en el disierto (A2 51v) ”

“ que del jardin de la sagrada muerte y pasion de mi esposo jesus me a diçho mi esposo jesus que dijese a vuestra reberençia que deste jardin (an salido muçhas plantas y de ella/s/ an salido muçhas flores) y de los misterios de su preçiosa madre y de las contenplaçiones de su pureça y linpieça an salido muçhas plantas y de ellas an salido muçhas flores que son los santos de la ylesia santa (A2 52v) ”

“ y yo bi a mi esposo jesus como se desclabo de la cruç sus preçiosos braços y abraço aquel pecador conbertido y lo arimo a su preçioso costado y yo (dijo su dibina majestad mira) oye que lo anjeles cantaban gloria yn elçelsis deo y me dijo su dibina majestad mira la misericordia mia (A3 154r/v) ”

“ me dijo que me saliese {...} y yo revsaba de salir por no escandaliçar la jente ques lo que tu temes aora esposa de jesucristo (la dijo el santo) y nuestra señora me ablo y me dijo bernardo sal dentre esos relijiosos y si te preguntan porque los as dejado (d>)lesponderas que no eran para tu y ni tu para ellos y la dijo el santo sal tu esposa de jesucristo deste monesterio y daras esta respuesta que no eras para ellas ni ellas para (B1 85r) ”

Es fällt jedoch auf, daß mit einer einzigen Ausnahme alle eindeutigen Korrekturen in den autobiographischen Fragmenten zu finden sind. Dies mag ein Zufall sein oder auch nicht.

Auch die Tatsache, daß sich zwischen den offensichtlichen Abschriften, also z.B. der Kopie der Avisos espirituales de la madre Teresa de Jesús, und dem eigentlichen Text (also den A- und B-Fragmenten) kaum Unterschiede in der Graphie und der Gestaltung ausmachen lassen, legt die Vermutung einer Abschrift nahe.

Andererseits wiederum weisen die einzelnen losen Folios, die zwischen den Heften zu finden sind, eher auf eine ungeplante Anhäufung loser Textfragmente hin, die mit der Zeit zustande gekommen sein könnte, ebenso die Tatsache, daß manche Textfragmente abrupt und unvermittelt enden oder mitten im Satz beginnen.

Ich möchte nicht darauf beharren, daß es sich wirklich um eine geplante Abschrift des Textes handelt. Es besteht durchaus die Möglichkeit, daß einige Fragmente noch einmal ins Reine geschrieben wurden (mit einigen stilistischen Korrekturen, von denen weiter unten die Rede sein wird), möglicherweise auch zu unterschiedlichen Zeiten, während andere, vielleicht vor allem die kürzeren, in ihrer ‘Rohform’ übernommen worden sind. In jedem Fall spricht die Sachlage aber dafür, daß das Manuskript von einer am beschriebenen Geschehen beteiligten Person verfaßt worden sein muß. Gegen diese Einschätzung sprechen lediglich einige sprachliche Phänomene des Textes wie der ausgeprägte laísmo und einige lautlich-graphische Besonderheiten, auf die ausführlich im Kapitel 3. eingegangen wird.

Für eine Urheberschaft aus dem engen Kreis der Beteiligten sprechen folgende Gründe:

Die Art der Schrift, in der der Hauptteil des Manuskripts geschrieben ist, zeigt an, daß das es wohl kaum von einem professionellen Schreiber erstellt worden ist, der Text scheint also nicht in Auftrag gegeben worden zu sein. Allein schon aus diesem Grund würde ich einen Außenstehenden als Urheber ausschließen. Desweiteren kommt auch Antoni Darnils als Schreiber nicht in Frage: nicht nur spricht die Schrift, die eher die eines Schreibanfängers ist, gegen ihn, auch Graphien wie ‘in elçelçis deo’ statt ‘in excelsis deo’, um nur ein Beispiel zu nennen, sind für einen lateinkundigen Theologen kaum denkbar. Schließt man also einen Außenstehenden sowie Darnils aus, so verbleiben als mögliche Urheberinnen Ana Domenge, Petronila Piérez, Anamaría López, Anas Nichten Francisa und Monsarada und die Haushälterin Anas, die jedoch angesichts ihres sozialen Status’ kaum des Lesens und Schreibens mächtig gewesen sein wird.

Ebenfalls gegen einen außenstehenden Abschreiber spricht auch die folgende Überlegung: zwar ist es durchaus vorstellbar, daß sich jemand aus Interesse an Ana Domenges Biographie ans Abschreiben ihres Lebensberichtes macht, dann ist aber nicht ersichtlich, aus welchen Gründen diese Person auch klösterliche Gebrauchstexte, wie es die E-Fragmente sind, in die Abschrift miteinbezieht, die thematisch nichts mit Anas Biographie zu tun haben. Ebenso spricht, denke ich, die Verteilung auf Hefte und auch Einzelfolios gegen eine geplante, in einem Stück hergestellte Abschrift und somit wiederum gegen einen außenstehenden Urheber.

Auf Folio 89r finden wir in ungeübter, krakeliger Schrift geschriebene und durchgestrichene Zeilen (siehe Kap. II.1.3., Fragment F4). Auf der Rückseite desselben Folios findet sich derselbe Textanfang, nun allerdings in der gewohnten Schrift. Offensichtlich wollte sich auch noch eine weitere Person an dem Schreibprojekt beteiligen, eine Beteiligung, die jedoch wohl nicht überzeugt hat. Ein solches Vorgehen wirkt unprofessionell und würde für eine ‘hausgemachte’ Sache sprechen.

Schließlich möchte ich als Bekräftigung für meine These der Abschrift von innen noch die Art einiger Korrekturen ins Feld führen. So gibt es Korrekturen, die auf den Versuch einer stilistischen Verbesserung des Textes hinweisen oder aber einen inhaltlichen Eingriff in den Text bedeuten. Ich halte es für unwahrscheinlich, daß eine Person, die an der Erstellung des Textes nicht selber beteiligt war, die Autorität für sich in Anspruch nimmt, diesen inhaltlich oder stilistisch zu manipulieren. Die folgenden Beispiele belegen den Versuch, den Stil durch die Wahl eines passenderen Ausdrucks oder durch Weglassen redundanter Information zu verbessern:

“ benian con mi padre san domingo tantos santos que açian dos (orden) yleras que pareçia estaban vno junto a tro (A1 4r) ”

“ y yo le dije era pobre que no tendria para açerlo y el santo me dijo que ya bendria quien me (diese para açerlo) ayudaria para açerlo (A1 5v) ”

“ no te enojes ques para probarte la paçiençia porque este santo tribunal es (oro triado) donde se apura el oro (A1 10r) ”

“ y quel dia que se transfiguro /se/ conbirtieron los jentiles (que no eran cristiano) y que aora con aber padeçido tanto y aber muerto en vna cr(o>)uç y con tantos sacramentos no quieren conbertirse los cristianos (A2 48r) ”

“ con esto se determinaron a tomar la casa que era dios serbido y se pasaron alla y se prinçipio (a lab--) açer ylesia (B1 71v) ”

“ la madre lo (suplico) encomendo a nuestro señor (B1 71v) ”

“ la sierba de dios rogo a la santa pidiese a nuestro señor las (pusiese en la ca) yspirase lo que era su santa b(u>)olunta pues era su santa (bolunta) fundaçion (B1 76v) ”

“ estando vn dia reçando bisperas de difuntos esta sierba de dios con sus cuatro yjas quedose (desmayada) muy fatigada y cuando la bi asi yçela sentar (B1 83v) ”

Noch auffälliger scheinen mir die folgenden inhaltlichen Korrekturen, die einen massiven Eingriff in die Textgestaltung bedeuten und von denen viele ohne die genaue Kenntnis der Vorfälle gar nicht vorzunehmen wären:

“ y santa vrsula me dijo (mañana) (s>)no te aflijas presto saldras de aqui y con muçha onra del padre san domingo (A1 10r) ”

“ y dijo nuestro señor mira esposa mia la gloria que son los trabajos y me la/s/ mostro el señor (yo por amor de nuestro señor --go y consejo a todos los que nuestro señor) y me dijo su majestad ya todos tus trabajos (son) estan espirados y todas las mormuraçiones estan acabados (bastante credito tienes) pues as pasado por mi santa ynquisiçion (A1 12r/v) ”

“ y asi esta sierba de dios llamo al dotor ranan persona de muçho espiritu y letras que ya solia tratar con el que era de guescar mas leya vna catreda en (lerida) /en barçelona/ (B1 66r) ”

“ {a Baltasar López} cargole la enfermeda y sentia muçho el aber prometido de llebarlas porque (no abia mas de) abia enbivdado al prinçipio que se trato este negoçio (B1 67v) ”

“ y vnos y otro que le ponian en mal coraçon {a Baltasar López} que no creyese en mujeres y que no tendria efecto (y asi se fue a bar) fue nuestro señor serbido de consolarlo (B1 69r) ”

“ el obispo dio liçençia para que dijesen misa en la diçha yglesia el primer dia de pascua de nabida no como en yglesia porque no la bendijeron (sino como) quel obispo estaba disgustado con el confesor (B1 73r) ”

“ (despues de pasados dos meses que tenian dado los abitos) el dia de la fundaçion que fue diçho dia de nuestra señora desperança predicaron por la mañana (B1 77v) ”

“ tanbien la dijo su majestad {...} quel probinçia no bendria asta (el fin del año) que fuese çerca el aber de profesar (B1 80r) ”

“ {...} que abia tenid[o] vna apariçion desta sagrada fundaçion lo muçho que abia de floreçer y (que palo abia dejado est- --- la sierba de dios) pregunto a la santa que que era la causa de las ynquietudes que abia en aquella casa (B1 80v) ”

“ en este mismo tienpe que era el año de mil seyçientos y treçe al fin del mes de efrero estan/do/ esta sierba de dios en el coro (delante el santisimo sa) que se abia ydo a des-cansar se le apareçio nuestra reyna doña margarita de austrya (B1 82v) ”

“ al dia sigiente por la (mañana) /tarde/ bino el padre probinçial (b>)a bisitar que era el padre fray jeronimo batista de lanuça (B1 87r) ”

“ me a diçho {...} que nuestro señor aria muçhas misericordias a los que defenderian la sagrada relijion digo que yçiesen por que se guardase (a otro dia por la mañ) las perladas ynbiaron lo que abian escrito para su disculpa (B1 88r) ”

“ son tantas las ofensas que me açen que me traen aflijido los pecados deste pueblo (vna de mis yjas me) tres años y cuatro meses abia cuando acaeçio estos trabajos de la yglesia (B4 97r) ”

“ abiendo reçibido a nuestro señor esta su sierba se estubo en oraçion y en racto (çinco o) seys oras (B6 140r) ”

“ ya a escrito todo lo que se a suçedido (cuando -- de se a bisto --- cuerpo) ya biene la carta y desea muçho diçho padre y el confesor del rey y la priora de las descalças de san agustin que bayas a la corte (B6 143r) ”

Und schließlich deuten auch die folgenden Beispiele von Schwankungen zwischen erster und dritter Person Plural meiner Ansicht nach eher auf eine beteiligte Person als Abschreibende, denn: welche Veranlassung sollte eine nicht beteiligte Person haben, unvermittelt in die Wir-Perspektive zu verfallen?

“ y asi (bimos) se bio cunplido lo que la sierba de dios abia diçho (B1 79r) ”

“ con esto (nos)/se/ resolbi(mos)/eron/ a no querer quedar en el monesterio y a no dejar de açer cosa que se supiese ser bolunta de nuestro señor (B1 81r) ”

In Anbetracht der Tatsache, daß sich Petronila, wie im nächsten Kapitel ausführlich besprochen, im Verlauf des Textes immer mehr als treibende Kraft des Schreibprojekts herauskristallisiert, ist es durchaus möglich, daß sie auch für die Abschrift des Textes verantwortlich ist.



Es wird mehr als deutlich, daß die biographischen Fragmente von einer Person aus dem nächsten Umfeld der Ana Domenge stammen müssen, so daß sich der mögliche Autorenkreis auf Anas Nichten Monsarada und Francisca sowie Anamaría López und Petronila Piérez einschränken läßt. Beichtvater Darnils kommt als Autor nicht in Frage, da zum einen viele Textstellen in der 1. Person Singular oder Plural mit femininer Referenz verfaßt sind; überdies wird auf ihn als Auslöser für den Schreibprozeß Bezug genommen (siehe auch Kap.5 über die Autorisierung zum Schreiben). Es muß aber auch die Möglichkeit in Betracht gezogen werden, daß hier nicht eine einzelne Autorin, sondern vielleicht ein ‘Autorinnen-Team’ am Werk war. 51 Ich möchte zunächst zeigen, welche Informationen uns der Text über die mögliche Autorin gibt. Darauf, wie sich seine sprachlichen und graphischen Besonderheiten bezüglich der Autorinnenthese verhalten, werde ich in Kap.3 eingehen.

Die Textfragmente werden hier in der Reihenfolge ihrer Entstehung untersucht, um die Entwicklung in der Autorenperspektive aufzuzeigen; die frühesten Fragmente sind B2 und B3, darauf folgt Fragment B1, und darauf wiederum die Fragmente B4, B5 und B6.

Zu Beginn des Fragments B2 ist die Perspektive wechselnd: die Schreiberin bemüht sich, die Geschehnisse distanziert darzustellen und spricht meist in der dritten Person von sich und ihren Mitschwestern. Doch wird diese Perspektive immer öfter durchbrochen durch einen unvermittelten Wechsel in die erste Person Plural, später dann gehäuft auch in die erste Person Singular:

“ açia en las ermanas que alli estaban estos efeçtos que oyendo a nuestra madres estas cosas cavsaba muçha deboçion y estaban muy mortificadas y creymos ser asi porque con la deboçion que cavsaba no faltaba sino berlo (B2 29v) ”

“ diçiendo nuestra madre a sor petronila que si queria(n>) y ganar el jubileo de nuestra señora de otubre digo del rosario ques en otubre (r>)se le açia de mal aber de salir de casa yr lejos que el monesterio de nuestros padres estaba lejos y ybamos a misa a un monesterio del bendito san agustin que estaba çerca a los dos que (eran) son la ermana questa ya diçha y a la ermana sor anamia (le>)nos pesaba por algunos respectos vmanos de salir de casa y de que nos biesen por las calles que como trayamos ya abitos eramos muy conoçidas [nue]stro padre confesor nos dijo fuesemo[s] [a es]te jubileo y en el racto supimos como era esto por lo que esta ya diçho (B2 30r/v) ”

Der erste Hinweis auf die Autorinnenschaft in diesem Fragment findet sich auf Folio 25v:

“ la ermana sor anamaria dijo vn dia (n) a nuestra madre lo que abia bisto el sabado santo y ya el padre confesor de nuestra madre la abia mando so pena de obidiençia dijes/e/ algunas cosas a esta ermana y a sor petronila y asi dijo esta y otras cosas que yran aqui escritas {...} como es este padre /es/ tan espiritual y tan çeloso del bien y probeçho de las almas asi a eçho no estubiesen encubiertas las merçedes que nuestro señor açe a nuestra madre sino que la a mandado nos dijese algunas cosas como yra diçho y (otras) nos las deçia con tantas lagrimas y tanto sentimimiento que a [beç]es nos daba pena de berla llorar {...} respondio nuestra madre a sor anamaria y a sor petronila que a las dos deçia estas cosas que las luçes que abia bisto (a>)el sabado santo en la noçhe sor anamaria que era la madre de dios (B2 25v/26r) ”

Das heißt also, daß eigentlich nur Anamaría und Petronila als Autorinnen in Frage kommen. Bestärkt wird die Auffassung auch dadurch, daß diese beiden Frauen am häufigsten namentlich erwähnt werden.

Auch die folgende Textstelle ist interessant:

“ el dia sigiente bino mi padre a bernos y nos dijo ançhe entre dieç y onçe de la noçhe bi a la madre sor ana en mi aposent(a>)o en pie delante de mi {...} y preguntando sor petronila a nuestra madre que como abia sido aquello la respondio que nuestro señor lo abia permetido porque conbenia que no daba credito a algunas cosas que le abia contado esta ermana de las misericordias que nuestro señor açia a nuestra madre (B2 32r/v) ”

Zunächst ist in dem Ausdruck ‘mi padre’, mit dem offensichtlich Baltasar López gemeint ist, ein klares Autorinnen-Ich ausgedrückt. Es stellt sich die Frage, ob Petronila, die ja nicht López’ leibliche Tochter ist, ihn so bezeichnet, jedoch wird sie gleich darauf namentlich erwähnt. Auch im folgenden Beispiel wird López als ‘mi padre’ genannt, nun aber ohne weitere Namenshinweise.

“ partieronse [par]a barçelona mi padre con el que abia dado el cuadro y con aber muçho peligro en el camino porque abia fama de ladrones los gio tan bien nuestro señor que en llegando a sus casas (m) escribio mi padre abian llegado como nuestra madre ya nos lo abia diçho que no les suçederia ningun peligro (B2 32v) ”

Auch das folgende Beispiel dokumentiert ein Autorinnen-Ich, es bleibt aber weiterhin im Dunkeln, wem dieses ‘Ich’ zuzuordnen ist:

“ y fue asi que luego escribieron dando las graçias a nuestra madre de que los abia encomendado a nuestro señor y contandola como abian llegado buenos y yo ley la carta (B2 33r) ”

Aber welche der beiden Frauen führt nun die Feder: Anamaría oder Petronila?

In Anbetracht der Tatsache, daß Petronila in den späteren Fragmenten massiv als Autorin in Erscheinung tritt, wie noch zu zeigen ist, wäre anzunehmen, daß sie auch dieses Fragment verfaßt hätte. Die folgende Episode spricht jedoch dagegen:

“ estando [la] ermana sor petronila enferma de vna ynçhaçon que se le yço en el rostro y con calentura estando vna noçhe muy fatigada y se le puso la lengua muy seca y muy aspera y de la gran ynçhaçon no podia abrir vn ojo nuestra madre se llego a berla y la toco la mano y luego en aquel punto se le quito la calentura y yabrio el ojo y la lengua se la vmedeçio que quedo muy consolada y sin neçesida de ningun refresco al otro dia bino el barbero que la bisitaba porque era el mal de cuydado que se morian del muçhos y aplicola vna mediçina para que se le acabase de quitar la ynçhaçon del rostro y en poniendosela de a(v>)y a vna ora le creçio calentura y dandonos pena preguntamos a nuestra madre que era y nos respondio que abia benido calentura porque se abia puesto mediçina vmana y quitamossela y luego estubo remediada (B2 34v/35r) ”

Es wäre, zumal es in diesem Fragment starke Schwankungen zwischen der 1. und der 3. Person Plural gibt, nicht verwunderlich, wenn Petronila als Autorin von sich in der 3. Person spräche, wie im folgenden Beispiel:

“ biniendo nuestra madre la pregunto sor petronila por la niña y dijo ya estaba buena (B2 34r) ”

Wohl aber ließe sich fragen, wieso sie ihre Mitschwestern in der 1. Person Plural sprechen läßt, aus der sie selber ausgeschlossen ist.

Auch Fragment B3 deutet auf die Autorenschaft Anamarías und Petronilas hin:

“ conçertose (m>)con el padre probinçial mi padre el mes de abril del año 1612 dabanos muçha pena pareçiendonos abia prometido muçho y mi padre tenia gana fuese[mo]s del ordinario porque no lo llebaba bien vbisien de yr tan lejos [--] las relijiosas (B3 107r) ”

Weitere Hinweise werden nicht gegeben.

Interessant wird es in Fragment F1. Schon in der Einleitung des Textes tritt ein Autorinnen-Ich in Erscheinung:

“ por la boluntad de dios nuestro señor y consejo de su sierba me pareçio açer esto para gloria de nuestro señor y para nuestro consuelo (B1 65r) ”

Noch ist aber nicht ersichtlich, wem diese Stimme gehört. Im Gegenteil: in dem nun folgenden Bericht wird auf den ersten Seiten der Versuch deutlich, Neutralität in der Erzählperspektive zu wahren, die Autorin spricht, wie die folgenden Beispiele dokumentieren, über alle Beteiligten in der dritten Person

“ la dijo su majestad que baltasar lopeç la ayudaria que era vn ombre forastero y que sus yjas la y[ba]n a parlar y asi fue que tubiendo notiçia de quien era esta sierba di dios la fueron a ber estas donçellas {...} la vna destas dos donçellas era yja del diçho baltasar lopeç y la otra abia benido a su casa para ser relijiosa que era de benabare y se querian tanto las dos que su padre de la vna llamaba yjas a las dos (B1 65r/v) ”

“ abian de yr a misa fuera y lleba(r>)ban ya las cuatro abitos blancos del padre santo domingo como andaba la madre sor ana como no las abian bisto a çhicos y a grandes pareçia cosa nueba berlas andar todas de blanco y ellas lo sentian muçho en particular las dos forasteras lo sentian muçho por respeto de su padre que no queria(n) saliesen y asi yban muy de mañana a misa los dias que eran de confesion y era de grande trabajo para esta sierba de nuestro señor porque desto y de otras penas lloraban delante de ella cada carta que su padre escribia de lo que sentia esto se quejaban a esta sierba de dios y asi la daban muçhas penas y trabajos y con ber las misericordias que nuestro señor la açia que eran de grande admiraçion y muçho para alabar a nuestro señor y para llebar de buena gana cualquier trabajo por estar en tal (trabajo)/conpania/ por vna parte reconoçian esto y tenian a grande diçha de aber benido y por otra como miserables lo sentian muçho y nada no bastaba para dejar de darla pena que las pareçia a o[tr]as no costaba tant[o] el ser monjas (B1 69v/70r) ”

Es läßt sich jedoch an diesen und den folgenden Beispielen auch ablesen, wie groß die Aufmerksamkeit ist, die Anamaría und Petronila zuteil wird, während die beiden Nichten Anas kaum Erwähnung finden.

“ respondio la santa que {...} pues en aquella casa no se açia la boluntad de (di>)su esposo jesus que se saliese y que dijese a petronila y anamaria que no profesasen alli que mejor sirbirian a nuestro señor en vn aposento y en vn oratorio que no alli con las ynquietudes que abia (B1 80v) ”

“ respondio el señor a su sierba y la dijo diras anamaria que lo que se puede açer sin milagros no es mi bolunta de açerlos y dirasle que yo soy dios de misericordia(s) y diras a petronila que yo amaba muçho a san juan bavtista y a san juan ebanjelista y que los dos an sido martires y diras a tus yjas que se consuelen con estos santos y con santa catalina de sena que paso tantos trabajos y que me ofreçcan a mi todas las penas que tengan y diras a petronila que no me agradan sus pensamientos que piensa si salgo del monesterio que diran mis parientes y que dira baltasar lopeç dila que sera monja cuando sera mi bolunta y que mis sierbos no an de mirar que dira el mundo sino que dire yo con esto (nos)/se/ resolbi(mos)/eron/ a no querer quedar en el monesterio y a no dejar de açer cosa que se supiese ser bolunta de nuestro señor (en est) dende a vnos cuantos dias la santa madre teresa de jesus consolo a esta sierba de dios y la dijo dijese a (a) petronila y anamaria que creyesen el consejo que ya otra beç les abia ynbiado a deçir asi como creyan (los) ser berdad todo lo leyan en sus libros (B1 81r) ”

Die neutrale Perspektive wird aber nicht den ganzen Text durchgehalten, und in zunehmendem Maße tritt das Autorinnen-Ich in den Vordergrund:

“ entro vna de sus yjas ablar a esta sierba de dios y sintio tanta suabida y deboçion en entrando que tubo por çierto aber eçho nuestro señor alguna misericordia a su sierba {...} y otro dia entrando esta misma ablar a esta sierba de dios questaba al coro sintio grande deboçion y suabida y preguntola ques esto madre y rogola muçho que la dijese que era aquel(a>)la tan grande deboçion que abia al coro y la sierba de dios deçia no be questamos delante del santisimo sacramento y la nobiçia deçia ya lo beo mas cuando yo bengo otras beçes no siento esta deboçion que aora siento y es asi berdad que abia en ocasiones muçhas questando junto a esta sierba de dios sentia muçha deboçion con ser yo tan miserable y diçiendolo a esta su sierba me respondia que nuestro señor me açia esta misericordia porque creya las misericordias que la açia (B1 82v-83r) ”

Nach diesem etwas abrupten und unmarkierten Perspektivenwechsel wird im Singular nur noch in der 1. Person berichtet, während im Plural weiterhin zwischen 1. und 3. Person geschwankt wird:

“ estando vn dia reçando bisperas de difuntos esta sierba de dios con sus cuatro yjas quedose (desmayada) muy fatigada y cuando la bi asi yçela sentar y preguntela que tenia y nos dijo que eran tantas las animas de purgatorio que la abian llamado entre que deçia aquellas bisperas que rogase por ellas que no tenian numero (B1 83v) ”

“ despues de aber asestido las nobiçias a las graçias bolbieronse al coro diçiendo bamos que la madre esta (en>)con nuestro señor bamos a estar junto de ella{...} y a poco que estubimos çerca de ella començo ablar {...} cuando salio de la oraçion santa ro(j>)gela muçho que me dijese que abia tenido aquel dia que salia tan aflijida {...} y asi me conto esto (B1 85v) ”

Diese Stimme in der ersten Person verrät nicht nur, daß das Fragment Produkt einer einzelnen Person ist und kein Gemeinschaftswerk, sondern zeigt auch, wie die Schreibende mehr und mehr die Initiative übernimmt, um von Ana etwas über ihre spirituellen Erlebnisse zu erfahren und die überdies eine gewisse Autorität für sich in Anspruch nimmt, wie das folgenden Beispiel illustriert:

“ llegado aqui el padre probinçial que fue dos o tres dias antes de san andres pensaba yo de deçirle algunas cosas de las misericordias que nuestro señor açia a su sierba porque yo le tenia en grande opinion porque le conoçia de çaragoça y abia oydo tenia grande fama (B1 86v) ”

Die Erwähnung der Stadt Zaragoza legt überdies nahe, daß hier die Aragoneserin Petronila spricht. Andererseits wird jedoch im Text an keiner Stelle erwähnt, woher Anamaría stammt, man erfährt lediglich, daß ihr Vater kein Katalane ist:

“ la dijo su majestad que baltasar lopeç la ayudaria que era vn ombre forastero (B1 65r) ”

So ist durchaus möglich, daß auch López und seine Tochter aus Aragón sind und Petronilas Freundschaft mit Anamaría von dort herrührt. Zuletzt wird aber doch noch eindeutig, auf wen sich das Ich des Textes bezieht:

“ al dia sigiente por la (mañana) /tarde/ bino el padre probinçial {...} estando delante del diçho padre que diesen las cavsas porquestaban descontentas dijo la sierba de dios yo no tengo memoria y asi no sabre contarlo sor petronila dara cuenta a vuestra paternidad por todas y asi yo me lebante con arto sentimiento de aber de deçir defetos de nayde que si no fuera saber era la bolunta de dios lo dijese no lo dijera mandome el probinçial dijese quel era padre y que deseaba poner remedio en este monesterio y asi yo dije todas las cosas que nuestro señor abia diçho por beçes a su sierba eran faltas de la relijion y algunas otras que oyendo yo ler lar reglas bia yo que no se guardaban {...} dijome que le pareçia no queriamos ser monjas pues reparabamos en aquellas niñerias y mandome tres beçes que lo que le abia diçho se lo diese por escrito y questubiese segura que no lo sabria mas quel {...} yo yçe escribir todo lo que le abia diçho de palabra y escrito roge a la sierba de dios se pusiese en oraçion y tratase con el glorioso santo tomas de aquino le dijese si estaba bien lo que yo abia eçho escribir para dar al probinçial por que no quedasemos las conçiençias cargadas yçolo y dijome (quel) diçe santo tomas de aquino quel papel que abeys eçho para el probinçial questa bien (B1 87r/v) ”

Aus dieser Textstelle geht Petronila nicht nur klar als Autorin hervor, auch ihr Sonderstatus als Wortführerin und Schreiberin der Frauengemeinschaft springt ins Auge, ebenso wie die Autorität, die ich weiter oben erwähnt habe und die aus ihren Worten spricht.

Während es in Fragment B4 bis auf die Tatsache, daß der gesamte Text aus der Ich-Perspektive erzählt wird, keine weiteren Hinweise auf die mögliche Verfasserin gibt, ist der Sachverhalt in Fragment B5 einfacher: auch dieses Fragment ist in der Ich-Perspektive gehalten; zwei Textstellen gibt es aber, an denen Petronila als Verfasserin zu Tage tritt. Im folgenden Zitat spricht die Ich-Erzählerin Anamaría an:

“ despues desto dije yo a la ermana anamaria en secreto si nuestro señor yspira a la madre que enprenda algun camino yo pedire liçençia al padre ballester {...} para aconpañarla a la sierba de dias (105v) ”

Im darauffolgenden Satz macht sor Ana dieser Erzählerin klar, daß sie für ihre Pläne die Erlaubnis von Baltasar López braucht; es kann sich also hier nur um Petronila handeln:

“ a otro dia me dijo la sierba de dios ame diçho nuestro señor que no a menester liçençia del padre ballester pues sabe sus misericordias sino sola de baltasar lopeç (B5 105r/v) ”

Und schließlich bestätigt auch noch die folgende Textstelle Petronila als Autorin:

“ me respondio (e>)la sierba de dios estaba ablando con el padre santo domingo y me a diçho esto y que os lo contase a bosotras y eramos monsarada costa sobrina de la sierba de dios y petronila piereç abiendo oydo tales misericordias quel señor era serbido de açer a su sierba estando muy contentas de ber no moriria de aquella enfermeda dijo monsarada y yo madre pues la enfermeda no es de las que los dotores entienden no la dejaremos sangrar (B5 103v) ”

Im Fragment B6 schließlich ist Petronila klar als Autorin zu erkennen. Zunächst erwähnt die Ich-Erzählerin ihre Geschwister aus Benabarre - dem Herkunftsort Petronilas:

“ dos dias antes rogando yo a esta sierba de dios me encomendase a nuestro señor vnos ermanos que tenia yo en benabare me dijo estos dias e tenido yo vna rebelaçion de eso estan con poca paç ofenden a nuestro señor (B6 142r) ”

Darüber hinaus finden sich aber vor allem eindrucksvolle Beispiele für die Autorität, die Petronila inzwischen als Autorin und Biographin erreicht hat, wenn der Schreibbefehl in der göttlichen Eingebung direkt an sie gerichtet ist:

“ ya otras beçes rogando por estas mismas personas la açia el señor esta respuesta y que queria asolar el monesterio y la (me) dijo nuestro señor este dia diras a petronila ques mi boluntad que fundes vn monesterio de beatas de santa catalina de sena con la propia (o) oserbançia del padre santo domingo y con muçha clavsura y dila que ya te lo rebele el dia de san matias{...} y la dijo nuestro señor diras a petronila que todas las que tomaran abitos de beatas seran santas (B6 140r/v) ”

“ y el santo {San Gregorio} la respondio si toda la dotrina es oraçion pero el çielo esta eçho a gradas {...} açlo escribir esto que te digo dilo a petronila y diraslo a tu confesor (B6 143v) ”

Ich werde auf Petronilas Autorinnenschaft bei der sprachlichen Ausgestaltung des Textes noch einmal zurückkommen.


Zunächst tun sich bei den autobiographischen Fragmenten hinsichtlich der Autorinnenschaft keine Probleme auf. Schon zu Beginn des Fragments A1 wird deutlich, wer spricht:

“ y cuando yo deçia estas palabras jesucristo mi esposo me llamo y me dijo estas palabras sor ana relijiosa del padre san domingo de que te aflijes no estoy yo en la carçel con tu (A1 3r) ”

Interessant ist nun herauszufinden, ob Ana Domenge selber zur Feder gegriffen oder aber ihre Erlebnisse diktiert hat. Ihre Aussagen diesbezüglich sind widersprüchlich. Zunächst weist alles auf ein Diktat hin: 52

“ [p]or mandado de mi confesor [a]go escribir esto (A1 1r) ”

“ por mandarmelo mi confesor ago escribir esto (A1 2r) ”

oder

“ yo no queria açer escribir mas mas me lo a mandado mi confesor segunda beç y por obedeçer lo ago (A1 7v) ”

Und auch das folgende Zitat könnte im Hinblick auf das mündliche Diktat gedeutet werden:

“ lo que aora yra escrito es de boca de nuestra madre que lo açe escribir su reberençia misma (A2 39v) ”

Andere Textstellen wiederum legen nahe, daß Ana selber ihre Erlebnisse zu Papier bringt:

“ yo no quisiera escribir estas cosas por tenerme por desyndina sino que me lo a mandado muçhas beçes mi confesor (A1 9v) ”

“ yo estaba temerosa que no queria escribir las misericordias quel señor me açia por ber no era dina de reçibirlas y aunque mi confesor me lo abia mandado lo yçiese con todo temia y queria callarlas y el señor me dijo esposa mia no temas diras a tu confesor cuando benga ques mi boluntad que escribas mis misericordias (A2 45v) ”

Nun kann man die Frage stellen, inwieweit der Text Auskunft darüber gibt, ob Ana lesen und schreiben kann. Es gibt in der Tat einige Aussagen darüber, die aber teilweise mehr Verwirrung stiften als Klarheit bringen. Zunächst ist da die folgende Aussage aus Fragment B2:

“ algunas mañanas cuando sale de la oraçion {...} la preguntamos que santo es aquel dia y nos lo diçe y la bida que yço el santo como si la vbiera leydo y otras cosas mas que estan escritas en las bidas de los santos y esto sabemos lo sabe de los mismos santos que se lo cuentan porque nosotras ya sabemos no sabe leer [en r]omançe que no lee sino solo el ofiçio menor de nuestro padre san domingo (B2 31v) ”

Nimmt man diese Aussage wörtlich, kann Ana zwar Latein, nicht aber Spanisch oder Katalanisch lesen - ein etwas befremdlicher Gedanke. Die Aussage im folgenden Zitat - ‘pareçe leya’ - könnte sich darauf beziehen, daß sie so aussieht, als ob sie lesen würde, obwohl sie das doch gar nicht kann. Diese Deutung ist aber nicht zwingend, ebenso kann damit gemeint sein, daß sie in dem Entrückungszustand, in dem sie sich befindet, nicht wirklich lesen kann.

“ començo mirando como estaba al brebario ablar vna lengua estranjera que pareçe era françesa {...} y ablaba con muçho erbor mas no se entendia {...} y day a vn poco tomo el brebario que tenia en el alda en las manos y pareçe leya porque meneaba los labios mas no lo entendiamos y ojeaba muçhas ojas con que tenia las manos tiesas como de vna persona muerta y si abia dos ojas juntas las apartaba y a beçes se reya y apuntaba con el dedo(s) algunos bersos (B2 20r) ”

Die folgende Textstelle würde darauf hindeuten, daß Ana in einem lateinischen Brevier liest:

“ el lunes de la primera semana de cuaresma estando nuestra madre leyndo en vn brebario se quedo en racto diendo sacrificate sacrificabo y despues se puso ablar con el bendito santo tomas de aquino (B2 19r) ”

Und schließlich wird aus dem folgenden Zitat deutlich, daß Ana ihren Gefährtinnen tatsächlich vorliest:

“ el miercoles santo estando diçiendo las oras por la mañana se le canso la boç a nuestra madre que leya como vna persona questa muy fatigada (B2 24r) ”

Wie sind diese Aussagen nun zu deuten? Eine mögliche Interpretation wäre, daß Ana sehr wohl ansatzweise über eine Lesefähigkeit verfügt, die es ihr ermöglicht, ihr wohlbekannte, oft gehörte liturgische Texte in den Büchern wiederzuerkennen. Das ‘ofiçio menor’ des heiligen Dominik kennt sie als Dominikanerin sicherlich auswendig; wenn also davon die Rede ist, daß sie daraus vorliest, so ist damit wahrscheinlich eher gemeint, daß sie es vorträgt, wobei sie das entsprechende Buch in den Händen hält - der Symbolwert eines aufgeschlagenen Buches bei den Ritualen einer Buchreligion wie der christlichen ist nicht zu unterschätzen!

Um also auf die Frage nach der Entstehung der autobiographischen Fragmente zurückzukommen: wenn Ana nur, wie dies hier nahegelegt wird, eine rudimentäre Lesekompetenz besitzt, besitzt sie mit Sicherheit keine Schreibkompetenz (weder konzeptionell noch medial). 53 So gesehen wären die Ausdrücke ‘escribir’ und ‘hacer escribir’ synonymisch verwendet für den Begriff ‘diktieren’.

Aber wem diktiert Ana? Die naheliegende Vermutung, dies könne ihr Beichtvater Darnils sein, da er ihr ja den Schreibauftrag gegeben hat, bestätigt sich nicht. Es ist schwer vorstellbar, daß Ana ihm Aussagen wie die folgenden in die Feder diktiert:

“ yo no quisiera escribir estas cosas por tenerme por desyndina sino que me lo a mandado muçhas beçes mi confesor (A1 9v) ”

“ dijome el señor esposa mia diras a tu confesor lo que yo te dire y le diras ques confesor di mi esposa a la que yo manifiesto mis secretos y muçhos tesoros çelestiales y le diras quel es teologo y que mire las letras y que te mande que escribas mis mysericordias las que podras y que las que no sabras que las escriba el y le diras questos escritos son ditados de tu esposo de jesus de naçaren (A3 153r) ”

Vielmehr lassen diese Aussagen Darnils als den intendierten Rezipienten des Schreibprodukts erscheinen.

Etwas Licht in die Angelegenheit bringen die folgenden Textstellen aus dem biographischen Fragment B6:

“ y la (me) dijo nuestro señor este dia diras a petronila ques mi boluntad que fundes vn monesterio de beatas de santa catalina de sena con la propia (o) oserbançia del padre santo domingo y con muçha clavsura y dila que ya te lo rebele el dia de san matias {...} y la dijo nuestro señor diras a petronila que todas las que tomaran abitos de beatas seran santas (B6 140v) ”

“ el santo {San Gregorio} la respondio {...} el çielo esta eçho a gradas y se sube aquellas gradas por oraçion y birtudes{...} açlo escribir esto que te digo dilo a petronila y diraslo a tu confesor fray darniles y la sierba de dios estaba suspensa como deçia el santo lo dijese a su confesor fray darniles porquestaba en françia abia quinçe meses (B6 143v) ”

Aus diesen Zitaten lassen sich zwei Dinge ersehen: zum einen wird in ihnen die zentrale Rolle Petronilas innerhalb des Schreibprojekts bestätigt; zum anderen erlauben sie es, Petronila als diejenige in Betracht zu ziehen, die das Diktat Anas entgegennimmt. Gestützt wird diese Vermutung auch durch die sprachliche Gestaltung sowohl der autobiographischen als auch der biographischen Fragmente (s. Kap.3).


Das Fragment F1 stellt den frühesten Text des Manuskripts dar, die beschriebenen Begebenheiten spielen sich noch vor Anas Verhaftung durch die Inquisition, also 1609 oder vielleicht sogar 1608 ab. Die Autorenschaft des Fragments bleibt gänzlich im Dunkeln. Ana Domenge und Fray Darnils allerdings können als Autoren ausgeschlossen werden, da über sie in dem Text in der dritten Person berichtet wird, ebenso wie Anamaría López und Petronila Piérez, da sie Ana zu diesem Zeitpunkt noch nicht kennen. Offensichtlich aber handelt es sich um eine Person, die in engem Kontakt mit Ana gestanden haben muß.

Mehr Anhaltspunkte bietet Fragment F2. Zunächst muß auch dieser Text im näheren Umfeld Anas entstanden sein. Der Schrifttyp läßt auf einen gebildeten Urheber schließen, die ethymologisierenden Graphien zeigen an, daß er wahrscheinlich des Lateins kundig war:

triunpho, contenplation, rreligiones sanctas, sposa, spiritus (Fol. 96r)

Gleichzeitig weist der Text aber einen starken katalanischen Einfluß auf:

- die Graphie /ny/ statt /ñ/: ‘anyo’ (Fol. 96r)

- die Graphien ‘‘debaixo’ und ‘baixo’ (Fol. 96r)

- die auffällige Konfusion von /c/ // und /s/ /s/ (das Katalanische kennt für beide Graphien nur den Lautwert /s/):54 ‘setenta y sinco’, ‘acistian’ (Fol. 96r), lunbresitas (Fol. 96v)

- die ‘Neutralisierung’ von unbetonten /a/ und /e/ zu / / schlägt sich nieder in der Graphie ‘sant symon astoc’ (Fol. 96r) (eigentl. Simon Stock). Bei einem hispanophonen Schreiber wäre die Schreibung ‘estoc’, also mit einem /e/ als epenthetischem Laut zu erwarten.

- und schließlich noch ein katalanisches Lexem: ‘vericle’, span. ‘berilo’, ‘viril’ (die Monstranz).

- Zudem gehört der Schreiber, wie sich dem Text entnehmen läßt, dem Predigerorden an:

“ le amostro nuestra senyora en la magnifica reuelation como dio el escapulario de nuestra sagrada orden al glorioso sant reginaldo (Fol. 96r) ”

Reginald von Orléans, der hier gemeint ist, war Dominikaner (allerdings wurde er nur selig-, nicht heiliggesprochen).

Alle diese Eigenschaften treffen auf Antoni Darnils zu. Zu dem Zeitpunkt, der in dem Fragment genannt wird (September 1613), ist Darnils noch Beichtvater in Anas Kloster. Die Anmerkung zum Text auf Folio 54v (Fragment F5), deren Schrift große Ähnlichkeit mit der von F2 aufweist, könnte ebenso von Darnils stammen. Dies wäre wiederum ein Indiz dafür, daß zumindest die ersten Teile der Auto/Biographie für ihn bestimmt waren und er diesen Text quasi ‘abgezeichnet’ hat.



Das Manuskript stammt aus dem katalanischen Sprachraum, dennoch ist es in spanischer Sprache verfaßt worden. Das kann mehrere Gründe haben:

Der einstige Glanz des Katalanischen als Literatursprache ist im 17. Jh. längst verblaßt, die Literatur- und Prestigesprache ist Spanisch. Sicherlich war es, je nachdem, für welchen Zweck und welche Rezipienten der Text bestimmt war, sinnvoll, ihn in dieser Sprache zu verfassen. Dennoch gibt es auch katalanische Texte im Stil des Berichts der Ana Domenge, so z.B. die Autobiographie von Teresa Mir, einer beata aus Olot vom Ende des 17. Jahrhunderts. 55

Ein anderer Grund könnte in der Herkunft der Schreiberin liegen: Petronila Piérez, Ziehtochter des Baltasar López, stammt aus Benabarre in Aragón. Die Schriftsprache in Aragón ist Ende des 15. Jahrhunderts vollständig kastilisiert, 56 und schenkt man Juan de Valdés Glauben, so spricht spätestens seit dem 16. Jahrhundert niemand mehr in Aragón etwas anderes als Spanisch:

“ [...] la lengua castellana se habla no solamente por toda Castilla, pero en el Reino de Aragon, en el de Murzia, con toda el Andaluzia, i en Galizia, Asturias i Navarra; i esto, aun hasta entre la jente vulgar, porque entre la jente noble, tanto bien se habla en todo el resto d’España. ” 57

Auch der Einfluß des Katalanischen auf den aragonesischen Sprachraum ist zu der Zeit, in der das Manuskript entsteht, beträchtlich kleiner geworden. Frago Gracia schreibt dazu:

En el siglo XVI Aragón casi definitivamente vuelve las espaldas a las influencias culturales procedentes de Cataluña, al mismo tiempo que se profundiza y extiende la atracción por lo castellano en cuestiones de lengua y de literatura. 58

Wenn dies zutrifft, so ist es nur logisch, daß Petronila auf spanisch, ihrer Muttersprache, schreibt. Allerdings situiert Alvar 1953 Benabarre in einer Übergangszone zwischen Aragonesisch bzw. aragonesisch gefärbtem Spanisch und Katalanisch, während Saralegui 1992 den Ort sprachlich gar zur katalanischen Zone erklärt - beide allerdings in synchronischer Hinsicht. 59 Bliebe zu überlegen, woher Anamaría López stammt. Ich sehe zwar von ihr als (maßgeblicher) Autorin ab und für ihre (sprachliche) Herkunft ist im Text nicht das kleinste Indiz auszumachen. Wenn sie aber als forastera bezeichnet wird, besteht zumindest die Möglichkeit, daß sie Spanisch, nicht Katalanisch als Muttersprache spricht. Und Petronila als Pflegetochter der Familie López war deren sprachlichem Einfluß ausgesetzt - also vielleicht einem kastilischen Einfluß. Diese Frage läßt sich aber nicht weiter erhellen.

Mehr Hinweise gibt uns der Text selber: In ihm finden sich einige typische Merkmale des Aragonesischen sowie eindeutige Katalanismen. Daneben finden sich auch Phänomene, die sowohl aragonesischem als auch katalanischem Einfluß zugerechnet werden können.

- Als typisch für Aragón gilt die Bildung des Diminutivs mit dem Suffix -ico/-ica. 60 Im gesamten Text findet sich kein anders gebildeter Diminutiv.

“ redomica (A4 167r), rejica (A5 136r), canpanica (B1 78r), pajaricos (B2 24r, 29r), lugarçicos (B4 89v) ”

- Die Tendenz des aragonesischen, Hiate zu vermeiden, könnte aus den folgenden Formen herausgelesen werden:61

“ oyer oír (A1 6v), oye (A3 154v) ”

- Auch für die im Aragonesischen häufige Bildung des Gerundiums auf dem Perfektstamm gibt es ein Beispiel: 62

“ tubiendo notiçia (B1 65r) ”

- und auch ‘ser’ als Hilfsverb bei intransitiven Verben ist einmal belegt: 63

“ cuando seria benido (A2 47r) ”

- ebenso wie die Jotierung einer Form des Verbs ‘ser’, bei der es sich allerdings auch um einen Schreibfehler handeln könnte: 64

“ y yes tan lindo el niño jesus (B2 32r) ”

Sowohl aragonesischem wie auch katalanischem Einfluß können die folgenden Phänomene zugesprochen werden:

- die Verwendung des femininen Genus bei Substantiven auf -or bzw. bei dem Wort ‘fin’:65

“ vna olor (A1 3r), ninguna olor (A1 3v), vna grandisima resplandor (A1 11r), vnas canales (A2 48r), tanta resplandor (A3 155r), la resplandor (A3 156v), asta la fin (A3 156v), a la fin (B1 74r, 76r), vna calor (B2 23r), muçha calor (B2 25r), la abla (B2 31v), tanta resplandor (B6 143r) ”

aber auch: “muy lindo olor (B2 23v), los olores (B2 28v), vn grande resplandor (B5 103r)”

- die Bildung eines Partitivs mit ‘de’: 66

“ me as demandado {...} de los dones (A2 51r), le mostrase de oraçion (B1 82r), sentimos de los olores (B2 28v), usase de misericordia (B2 37v), que vse de misericordia (B2 38v, B6 140r) ”

- die Verwendung des Subjektpronomens der 2. Person mit Präposition:67

“ con tu, a tu, en tu, de tu, por tu ”

aber auch: “contigo, conmigo”

- die Verwendung der Possessivpronomina mit vorgestelltem Artikel: 68

“ la mi santa fundaçion (B1 77v), la mia misericordia (B2 40v) ”

- Schwankungen bei der Verwendung der Präpositionen ‘a’ und ‘en’: 69

“ alto al monte calbario (A2 48v, 53v), en cabo del mundo la segiriamos (B1 65v), ya estara al çielo (B2 36r), si estaba al çielo (B2 36r), vna ynçhaçon a la oreja (B4 98r), que se allase presente {...} a vna sangria (B4 99r), algodon tocado al braço (B4 99v) ”

- die Verwendung von ‘estar’ in den folgenden Beispielen - das Aragonesische kennt nur ‘ser’, während die Distribution von ‘ser’ und ‘estar’ im Katalanischen stark von der im Spanischen abweicht:70

“estar beatas ser beatas (B1 88r), estaba vn yjo había un hijo (B4 98r)”

Eindeutig katalanisch sind

- die folgenden Lexeme:71

“brutiçia suciedad (A1 2v, 3r), malalta enferma (A2 43v), roser rosal (A2 53r), oliber olivo (A2 54v), canonçhe canónigo (A3 155v), malencolica melancólica (A5 136v), malencolicas melancolicas (A5 136v), cadaldia cada día (katalanischer vulgarisme laut Alcover, A5 137v, A6 141r), desta mena de esta manera (B1 65v), abia abuela (B2 24r), llebadoras parteras (B4 90r)”

Auf katalanische Interferenz können oder könnten die folgenden Phänomene zurückgeführt werden:

- morphologische Phänomene:

“beste vete bzw. ves-te’n (A2 43v), leyndo leyendo bzw. llegint (B2 19r), diendo diciendo bzw. dient (B2 19r), la guardese la guardase bzw. la guardés (B2 33v), quen abiend que en abiendo bzw. que’n havent (B4 97v), dineros dinero bzw. diners (B1 68v)”

- Kombinationen von spanischen und katalanischen Elementen:

“nuestra señora del roser del rosario (A2 43v, 53v), aber auch: nuestra señora del rosario (A3 156r, B2 18r)”

“retulo rótulo bzw. rètol (A4 167r)”

“muy mejor mucho mejor bzw. molt millor (B1 81v),”

‘falsche’ Verwendung von Lexemen:

“orejas para poderlo oyr oídos (A2 42r), las biniese a buscar las fuese a buscar (B1 68r)” 72

- die Bevorzugung von Lexemen, die im Spanischen eher unüblich, für das Katalanische jedoch die Norm sind: 73

“parlar hablar (A6 141r, B1 65r, 85v, 86r), sentir oír (A6 141r, B1 68v), se sentia se oía (B2 24r),”

- Auffällig ist zudem, daß in der Graphie grundsätzlich /ll/ und /y/ unterschieden werden. Yeísmo (die Aufgabe der Unterscheidung von / / und /y/ zugunsten von /y/) kann hier ausgeschlossen werden - die Distinktion der beiden Laute ist typisch für Katalonien und Aragón.74

Soweit also einige katalanische und aragonesische Elemente, die sich aus dem Text herausfiltern lassen. 75

Nun gibt es aber auch Phänomene, die nicht ins Bild passen:

- die eindeutige Dinstinktion zwischen // und /s/ mit den Graphien /ç/ und /s/. Für katalanisch geprägtes Spanisch wäre ein deutlicher seseo zu erwarten oder zumindest eine gewisse Unsicherheit ber der Distribution von /s/ und /ç/ (wie dies bei Fragment F2 der Fall ist). 76

- der fast gänzliche Verzicht auf anlautendes /h-/: das Katalanische und das Aragonesische haben lat. anlautendes /f-/ erhalten77, so daß eigentlich die Schreibung von anlautendem /h-/ oder sogar anlautendem /f-/ zu erwarten wäre.

- die (sehr vereinzelte) Schreibung des Nexus /ct/ las /çt/, z.B. ‘efeçto’. Eine solche Lautung wäre dem Norden Spaniens vorbehalten. 78 Möglicherweise handelt es sich einfach nur um ein Versehen des Schreibers oder der Schreiberin.

- das fast systematische Weglassen von auslautendem /-d/: ‘salu’, ‘ciuda’, ‘majesta’, etc. Für den katalanischen Sprachraum typisch wäre das gegenteilige Phänomen, die Auslautverhärtung (‘salut’, ‘ciudat’, ‘majestat’, etc.). 79

- Am auffälligsten aber ist die Verwendung der weiblichen Objektpronomina: durch den gesamten Text zieht sich ein weitgehend systematischer laísmo, also die Verwendung der Pronomina la und las für das weibliche indirekte Objekt: 80

“ la mostro nuestro señor su alma (A2 39r), las representaba el premio (A5 136v), las preguntaba lo que las suçedia (A5 136v), la pareçia se abrasaba su coraçon (B5 103r), etc. ”

und nur selten: “le yço {...} estas merçedes (A2 39r), le era tan façil esto (B5 104r)”

Der laísmo wird recht einmütig zu einem linguistischen Phänomen des Zentrums und des Nordens Spaniens erklärt,81 während Aragon das etymologische System, also die Verwendung le/les aus lat. illi/illis für männliches wie weibliches indirektes Objekt beibehält. Und Alvar schreibt:

“ En el uso de los pronombres enclíticos, Aragón emplea siempre le como dativo (nunca la como dativo femenino de persona). ” 82

Das heißt, der Text müßte entweder dem Einfluß eines außenstehenden Schreibers unterworfen gewesen sein, der dem Text quasi seinen ‘pronominalen Stempel’ aufgedrückt hat, dann bliebe aber rätselhaft, wieso Formulierungen wie ‘con tu’ oder ‘a tu’ oder die Verwendung der Präposition ‘en’ statt ‘a’ und umgekehrt nicht ebenfalls ersetzt worden sind! Oder aber Anamaría López stammte aus dem Norden oder Zentrum Spaniens und war maßgeblich als Autorin am Entstehen der Texte beteiligt - beides Hypothesen, die sich weder verfizieren noch falsifizieren lassen. Und dennoch halte ich weiterhin an der These fest, Petronila habe sowohl als Autorin als auch als Abschreiberin fungiert hat - der Grund für mein Festhalten liegt in der Entdeckung, die ich in der Biographie der sor Martina de los Angeles gemacht habe, über die weiter unten in einem Exkurs berichtet wird.


Im vorigen Kapitel war davon die Rede, daß erstens Ana Domenge mit aller Wahrscheinlichkeit ihren Text nicht selber niedergeschrieben hat, und zweitens, daß sie diesen Text wahrscheinlich Petronila diktiert hat. Es bleibt aber zu überlegen, wie dieser Prozeß vonstatten gegangen ist: hat Ana den Text direkt auf spanisch Petronila in die Feder diktiert? Hat Petronila aufgrund von Notizen, die sie von den Erzählungen Anas macht, den Text konstruiert? Oder hat sie gar Anas Aussagen auf Katalanisch entgegengenommen, um diese dann ins Spanische zu übersetzen? Natürlich ist diese Frage nicht wirklich zu beantworten. Aber gewisse Aspekte des Textes können doch etwas Licht in diese Angelegenheit bringen. Zunächst aber noch eine kurze Überlegung zur Schreibkompetenz: sowohl die autobiographischen als auch die biographischen Fragmente weisen nähesprachliche Züge auf: gewisse Schwächen im Aufbau; eine überwiegend aggregative Syntax von geringer Komplexität, die mitunter erhebliche Mängel aufweist; Verfahren expressiver Syntax; die oben beschriebenen stark diatopischen Züge; kaum Lexemvarianz; Merkmale, die einen geringen Planungsaufwand beim Verfassen vermuten lassen; etc. Das heißt, wir können hier von einer eher nähesprachlich geprägten Schreibkompetenz ausgehen. 83 Es ist aber festzuhalten, daß das sprachliche ‘Niveau’ des Textes nicht extrem niedrig ist, lediglich die Präferenz für einfache Verfahren auf syntaktischer, lexematischer sowie auch inhaltlicher Ebene (einfaches Aneinanderreihen von Episoden in chronologischer oder thematischer Reihenfolge) drückt dem Text ihren Stempel auf. Aber zurück zu Ana: wir hatten weiter oben festgestellt, daß sie höchstwahrscheinlich kaum lesen und mit Sicherheit nicht schreiben konnte. Konnte sie dann aber solch einen ‘schreibbaren’ Text diktieren? Mit anderen Worten: kann jemand, der nicht über die nötige Schreibkompetenz verfügt, um einen Text zu schreiben, die nötige Diktierkompetenz haben, um einen Text zu diktieren? Erschwerend kommt noch hinzu, daß Ana den Text in der Fremdsprache Spanisch anstatt in ihrer Muttersprache Katalanisch hätte diktieren müssen. Plausibler scheint mir da die Vorstellung, daß Ana und Petronila die autobiographischen Teile zusammen geschrieben haben. Dies könnte ungefähr so abgelaufen sein, daß Ana, in einem vielleicht etwas rudimentären Spanisch oder sogar auf katalanisch, ihre Erlebnisse erzählte und Petronila diese zusammen mit Ana in eine schriftliche spanische Form brachte. Für diese These spricht auch, daß sich in sprachlicher Hinsicht keine nennenswerten Unterschiede zwischen autobiographischen und biographischen Teilen ausmachen lassen, sämtliche syntaktischen, morphologischen, lexikalischen und stilistischen Eigenheiten ziehen sich in gleicher Weise durch den gesamten Text.


Es gibt viele Berichte von Frauen oder über Frauen, die dem der sor Ana Domenge ähneln, es gab viele Frauen, vor und nach Ana Domenge, deren spirituelle Erfahrungen sich mit den ihrigen vergleichen lassen, es gab viele Frauen, die sich - wie Ana - die heilige Katharina von Siena und die heilige Teresa von Avila zum Vorbild genommen haben. Und es gab viele dieser Frauen, die - wie Ana- in Vergessenheit gerieten und nur manchmal, fast zufällig, wie Ana, wieder in Erinnerung gerufen werden. Eine dieser Frauen ist sor Martina de los Angeles, eine Dominikanerin aus Aragón, deren Biographie ich hier kurz vorstellen möchte, und zwar aus folgenden Gründen:

Erstens wird im Text eine gewisse Petronila Pierrez, Tertiarin des Predigerordens in Benabarre, erwähnt - es wäre nicht verwunderlich, wenn das ‘unsere’ Petronila wäre. 84

Zweitens verbrachte sor Martina ihr Leben in Zaragoza und Benabarre. Ihre Biographie wurde von einem Aragonesen verfaßt, dazu werden viele Zeitzeugen aus dem aragonesischen Raum zitiert, so daß die sprachlichen Merkmale dieses Textes bei der Einschätzung einiger sprachlicher Phänomene in der Biographie Anas eine Hilfe sein können.


Am 11. November 1573 wird Martina als Tochter von Isabel de Estadilla und Bernabé de Arilla in Zaragoza geboren. Schon als sie noch ein kleines Mädchen ist, wird deutlich, daß sie nicht wie die anderen Kinder ist: sie zieht das Alleinsein den Spielen mit Gleichaltrigen vor und vertieft sich lieber ins Gebet, so daß schon ihr erster Beichtvater urteilt:

“Veis aqui un Alma sin cuerpo: una Niña, que se cria para Santa”.85

Martinas großes Vorbild ist Katharina von Siena, die sie in allen ihren Handlungen zu imitieren sucht, und unter dem Vorwand, sich mit der Lektüre der Biographie dieser Heiligen weiterbilden zu wollen, lernt sie lesen und schreiben. Ihr Wunsch, in die Wüste zu gehen, um dort das eremitische Ideal auszuleben, ist unerfüllbar. Statt dessen gewährt der Vater der gerade erst Sechsjährigen, sich im hintersten Teil des väterlichen Hauses ein Refugium zu errichten, in dem sie, den Kontakt mit der Außenwelt meidend und in strenger Zurückgezogenheit, dem Gebet und der unsäglichen Selbstkasteiung frönt. In dieser selbstgewählten Isolation, die sich über viele Jahre erstrecken wird, hat sie die ersten Visionen, in denen ihr Christus erscheint und zu ihr spricht.

Mit 27 Jahren tritt sie als Novizin in den Dominikanerinnenkonvent Santa Fe in Zaragoza ein (die Märtyrerin Katharina hatte sie in einer Vision dazu aufgefordert), und nach einem Jahr legt sie die Ordensgelübde ab. Nun nimmt sie die Selbstkasteiungen, denen sie sich im Hause ihres Vaters unterzogen hatte und die ihr während ihrer Zeit als Novizin untersagt waren, wieder auf. Die Liste der Grausamkeiten, die sie an ihrem Körper vollbringt, ist lang: sie lebt in extremer Askese, sie geißelt sich täglich, jeden Freitag nagelt sie sich selbst an ein Kreuz, das in ihrer Zelle angebracht ist, sie trägt schwere Eisenketten an ihrem geschwächten Körper oder wirft sich auf ein mit Nägeln gespicktes Brett. Zudem vermeidet sie, so gut es geht, den Kontakt zu den Gläubigen, die ins Kloster kommen, damit die Nonnen ihnen Rat und Trost spenden. Trotz dieser Menschenscheu ist sie in der ganzen Gegend bekannt, viele kommen zu ihr, um sie um Beistand zu bitten, und bald haftet ihr der Geruch der Heiligkeit an. Die Visionen, in denen sie Gespräche mit ihrem Bräutigam Christus und den ihr teuren Heiligen, allen voran der heilige Dominik und die heilige Katharina von Siena, führt, werden immer häufiger und gipfeln darin, daß Christus ihr Herz mit den Pfeilen seiner Liebe durchbohrt, wie dies auch Ana in ihrer Autobiographie beschreibt. Wenn Martina krank ist, kommt Christus an ihr Bett, um ihr die heilige Kommunion zu geben. Wenn Heilige bei ihr sind, verbreitet sich ein wohlriechender Duft in ihrer Zelle, oder es werden Lichter ohne erkennbare Lichtquelle sichtbar. Martina kann Menschen heilen, Sünder bekehren, Seelen aus dem Fegefeuer erlösen, und sie hat prophetische Gaben: sie sagt ihren eigenen Tod voraus, und, als sie selber schon tot ist, sogar noch den Tod ihrer Priorin Isabel Ubid den Tod voraus.

Isabel Ubid wird 1632 mit der Gründung eines Konvents in Benabarre beauftragt. In diesen neugegründeten Konvent San Pedro Mártir nimmt sie einige Nonnen aus dem Konvent Santa Fe mit, unter ihnen auch sor Martina. In Benabarre macht die Neuigkeit von der Ankunft der santa schnell die Runde, so daß Martina auch hier nicht die langersehnte Ruhe findet, so groß ist der Andrang derer, die bei ihr Rat, Trost und Hilfe suchen. Als Martina stirbt, wird ihr Leichnam in der Kirche aufgebahrt, und die ganze Region macht ihre Aufwartung, um Martina die letzte Ehre zu erweisen.

Noch zu Lebzeiten hatte sor Martina prophezeit, daß man die Wunde an ihrem Herzen, die der Speer der göttlichen Liebe ihr zugefügt habe, zu Gesicht bekommen würde. Und so begibt sich nach ihrem Tod die folgende Episode:

“ y al tercer dia de su muerte Sor Petronila Pierrez, de la Tercera Orden de nuestro Padre Santo Domingo, sin haver tenido ninguna noticia, de que [sor Martina] tuviera el corazon herido, tuvo un impulso vehementissimo, para que la abrieran, y se le sacaran. Causabale horror la execucion; pero quando bolvia sobre sì, se hallaba con tal animo para executarlo, que conocia claramente era superior el impulso, que la movia; y sin poder resistirse à èl, llamò à la Madre Priora, que era entonces Sor Isabel Gisbert; y la comunicò la mocion interior, que sentia en sì, y la persuadiò à que la abrieran, y sacaran el corazon. Resistiase la Priora; pero ella se lo persuadiò con tanta eficacia, que se viò obligada à comunicarlo con las Madres Fundadoras. Y como todas la havian oìdo quexarse tanto del corazon, con facilidad se dexaron vencer de las instancias de la dicha Sor Petronila Pierrez, pareciendoles havian de hallar en èl alguna novedad; pero no se atrevieron à executarlo sin el consentimiento de el muy Reverendo Padre Fray Gabriel Ximenez, su Confessor. Consultaronlo con èl; y como por relacion de la misma Sierva de Dios, tenia noticia de la herida del corazon: con facilidad se persuadiò era Dios quien movia los animos de aquellas Religiosas, y que el abrirla havia de redundar en gloria suya; con que diò su consentimiento. ”

“Obtenida la licencia (cerradas las puertas de la calle) sacaron el Feretro à la Porteria, y assistiendo la Priora con las Fundadoras, y Sor Petronila Pierrez, que estaba de la parte de afuera, empezaron à desnudar el cadaver; y reconociendole el pecho, en la parte izquierda sobre el corazon, vieron toda la cicatriz de una herida, como de Lanza, que formaba tres esquinas; el color era como de quemado, que parecia la havian señalado con fuego. Mucha admiracion les causò lo que veìan; y se persuadieron hallarian en el corazon las mismas señales: con que mas animosas, que hasta entonces (sin aquel horror, que de necessidad parece havia de causar en el pecho de mugeres temerosas, accion de su naturaleza tan sangrienta) trataron de abrirla. Executòlo Sor Petronila Pierrez, y con una navaja la abriò el pecho por la parte contraria del corazon; puso por la herida la mano, y sin hallar ninguna resistencia, como si cogiera del arbol una manzana madura (como ella misma dice en su deposicion) sacò aquel corazon abrasado, que fue deposito de tantas finezas. No fue pequqeña maravilla haverle sacado con essa facilidad; porque el corazon humano (dicen los Anotomicos [sic!]) està asido à cuatro venas, ò arterias [...] y son tan fuertes todas, que ni aun el brazo de mas robustas fuerzas podrà desasirle, si no las corta con el cuchillo. Reconocieronle luego, y vieron en èl una herida, que correspondia à las señales, que havian visto en el pecho, que formaba tres esquinas, tan abierta, que podian meterse por ella los tres dedos, y tan profunda, que penetraba todo el corazon; y aunque no rompia la parte contraria; pero llegaba à herirla, dexando en el cutis algo señalada la herida. Conociase bien, que no era reciente, porque tenia los labios como quemados, y callosos; pero la parte interior estaba fresca, pues se veìa bañada en sangre, y aun corrieron algunas gotas”.86

Soweit diese schaurige Anekdote. Diese Petronila Pierrez scheint eine recht energische Persönlichkeit und überdies im Umgang mit heiligen Frauen erfahren gewesen zu sein - ein Charakterzug, der durchaus auch zu Petronila, der Gefährtin und Biographin Anas paßt. Es ist keineswegs auszuschließen, daß es sich hier um dieselbe Petronila handelt. Möglicherweise ist sie, vielleicht nach dem Tod Anas, dessen Datum wir nicht kennen, aus Perpignan fortgegangen und lebte dann in ihrem Heimatort Benabarre als Tertiarin des Predigerordens.

Die Biographie der sor Martina de los Angeles scheint seinerzeit recht bekannt und eine beliebte Lektüre gewesen zu sein. Die mir vorliegende Ausgabe von 1735 war schon die fünfte Edition des Textes. Der Verfasser ist fray Andrés de Maya Salaberria, der ebenso wie sor Martina dem Dominikanerorden angehörte und Inhaber eines Lehrstuhls für Theologie an der Universität Zaragoza war. Er beginnt mit der Niederschrift der Vita Martinas 1677, 42 Jahre nach ihrem Tod. Für die Rekonstruktion ihrer Biographie benutzt er zwei Hauptquellen: zum einen verfügt er über eine Kopie der Akten, die 1637 zusammengestellt worden waren, um die Seligsprechung Martinas in Rom zu beantragen und in denen zahlreiche Zeugenaussagen von Zeitgenossinnen und Zeitgenossen Martinas festgehalten sind. 87 Die andere Quelle sind die umfangreichen Schriften sor Martinas, über die der Autor aussagt:

“son de tanta autoridad [...], que el mismo Dios (como ella misma dice) la governaba la pluma, y dictaba lo que havia de escrivir, para que escriviera con mas acierto”.88

Auch dieses Motiv des ‘diktierenden’ oder ‘federführenden’ Christus ist uns aus Anas Texten bekannt. Interessant ist die Vorgehensweise des Autors: die Zitate der Zeitzeugen und die Zitate aus den Schriften Martinas werden meist wörtlich und in Kursivschrift wiedergegeben.


Auffällig ist, daß der gesamte Text geprägt ist durch einen starken laísmo.

“[...] un Sacerdote, tio suyo, la empezò à hablar de la Vida de Santa Cathalina de Sena”.89

“[...] la contò todo lo que le havia passado”.90

“[...] la dieron la Santa Uncion”.91etc.

Das ließe darauf schließen, daß diese Handhabung der femininen Pronomina im 17. Jh. im Spanischen in Aragón sowohl im schriftlichen Bereich als auch, wenn man davon ausgeht, daß die Zeugenaussagen Protokolle mündlicher Äußerungen sind, im mündlichen Bereich, kein außergewöhnliches Phänomen war. 92 Erstaunlich ist, daß, wie ich im Kapitel zur sprachlichen Gestaltung der Biographie Ana Domenges angemerkt habe, in der Literatur die Existenz des laísmo in Aragón grundsätzlich und kategorisch verneint wird. Ich finde dafür keine Erklärung, aber ein Gedanke drängt sich mir auf: sowohl das Leben von sor Ana als auch das von sor Martina spielt sich in einem weiblich geprägten Raum, dem Frauenkloster oder der informellen religiösen Frauengemeinschaft ab. Das heißt notwendigerweise, daß die Personen, auf die die Pronomina referieren, überwiegend weiblich sind. In der Tat ist in Anas Biographie die Zahl der Pronomina, die sich auf weibliche Personen beziehen, ungleich größer als die der auf männliche Personen referierenden. Die Textkorpora für historische linguistische Untersuchungen bestehen aber zumeist aus offiziellen Urkunden, also Texte, die dem öffentlichen Bereich entstammen und die sich in einer männlich geprägten Gesellschaft überwiegend auf Männer beziehen - die durch maskuline Pronomina ersetzt werden. Das heißt, eine leichte Verzerrung der Ergebnisse ‘mangels Masse’ von femininen Pronomina wäre zumindest vorstellbar.


Interessant in Ana Domenges Text sind nicht nur die Autorisierungsformeln selber, sondern auch die Entwicklung der Autorisierungsstrategien. 93

Im ersten autobiographischen Fragment (A1) beruft sich Ana ganz auf den Schreibauftrag des Beichtvaters. So leitet sie ihren Bericht mit den Worten ein:

“ [p]or mandado de mi confesor [a]go escribir esto (A1 1r) ”

und wiederholt auf der nächsten Seite in fast demselben Wortlaut:

“ por mandarmelo mi confesor ago escribir esto (A1 2r) ”

Im Verlauf des Textes beteuert sie noch zweimal die Unfreiwilligkeit ihres Schreibens und verweist auf die Beharrlichkeit, mit der Darnils sie dazu dränge:

“ yo no queria açer escribir mas mas me lo a mandado mi confesor segunda beç y por obedeçer lo ago (A1 7v) ”

“ yo no quisiera escribir estas cosas por tenerme por desyndina sino que me lo a mandado muçhas beçes mi confesor (A1 9v) ”

Doch schon im nächsten Textfragment (A2) stellt sich die Situation ganz anders dar.

Eingeleitet werden Anas Aufschriebe mit dem Hinweis darauf, daß sie ihr von Christus selber diktiert worden seien:

“ esto que esta escrito lo mando escribir asi nuestro padre confesor lo que aora yra escrito es de boca de nuestra madre que lo açe escribir su reberençia misma (A2 39v) ”

Der Schreibauftrag von Darnils, der weiter besteht, tritt zunehmend in den Hintergrund, während die eigentliche Legitimierung mehr und mehr von Christus selber kommt:

“ y me dijo mi esposo jesus diras a tu confesor lo que as bisto (A2 41v) ”

Allein im Textfragment A2 finden sich 26 solcher Aufforderungen, das Gesehene Beichtvater Darnils mitzuteilen, und fast alle werden eingeleitet mit den Worten ‘dirás a tu confesor... ’.

Und tatsächlich scheinen zumindest die Fragmente A2 und A3 an Darnils gerichtet zu sein, denn Ana spricht ihn mehrmals direkt an, so in den folgenden Beispielen,

“ padre jesucristo mi esposo me a diçho que dijese a vuestra reberençia que su majestad me quiere mostrar quel esposo a de mostrar a la esposa padre mi anima se quedo en vna alta contenplaçion contenplando en la ostia consagrada a mi esposo jesus (A2 49r) ”

“ me a diçho jesucristo mi esposo que dijese a vuestra reberençia que aunque ando por las calles no estoy en las calles y que aunque (an) ablo con las criaturas que no atiendo a nada de lo que ablan porque mi alma esta sienpre contenplando en su dibina majestad {...} y me a diçho su dibina majestad {...} mira que belleça y que grandeça y que ermosura de mi preçiosa madre padre yo no tengo lengua para saberlo contar (A3 157r) ”

“ y yo dije jesus señor ques esto que yo no puedo mas que yo estoy malalta esposa mia beste a tu confesor y dile jesucristo mi esposo me a diçho questoy enferma de amor de mi esposo jesus padre yo estoy muy enferma tengo miedo de morirme y jesucristo mi esposo me a diçho que al segundo toque del abemaria me a tirado çinco fleçhas y que sienpre las tendre de amor (A2 43v) ”

In den Aufforderungen wird auch mehrfach das Schreiben thematisiert:

“ el mismo dia me yço el señor esta misericordia (c>)yo estaba temerosa que no queria escribir las misericordias quel señor me açia por ber no era dina de reçibirlas y aunque mi confesor me lo abia mandado lo yçiese con todo temia y queria callarlas y el señor me dijo esposa mia no temas diras a tu confesor cuando benga ques mi boluntad que escribas mis misericordias (A2 45v) ”

“ y el señor me dijo esposa mia no temas escribelo que jesus de naçareno (d>)te diçe que lo escribas y diras a tu confesor padre jesucristo mi esposo me a diçho que no temiese sino que lo escribiese (A2 52r) ”

“ y el señor me dijo esposa mia esto es el çielo i esta puerta que bes es de mi eterna gloria cuentalo todo a tu confesor y cuentale la eçhura de la puerta de mi eterna gloria como es y me dijo su dibina majestad esposa mia no temas diras que jesus de naçareno te a diçho que lo contases a tu confesor y que agas escribir mis misericordias (A2 54r) ”

Gleichzeitig wird hier erkennbar, daß es sich nicht nur um eine Autorisierung Anas handelt, sondern daß auch Darnils sich den göttlichen Anweisungen, die Ana vermittelt, zu beugen hat. Es findet also quasi eine Inversion der Rollen statt: AnasStellung als Mittlerin des göttlichen Willens verleiht ihr Autorität über ihren Beichtvater. 94

“ me dijo jesu(s>)cristo mi esposo esposa mia diras a tu confesor a fray darniles padre jesucristo mi esposo me a diçho que dentro de mi anima a eçho vna muralla {...} /i/ que lo dijese a vuestra reberençia y me a diçho que dijese a vuestra reberençia que dentro de mi anima tengo a jesucristo mi esposo tan alto y tan poderoso como esta en el çielo debajo de aquellas espeçies sacramentales {...} y jesucristo mi esposo me a diçho que asi como vuestra reberençia cre que jesucristo naçio la noçhe de nabida del bientre de la birjen maria y asi como vuestra reberençia cre que murio en vna cruç por el remedio de los ombres y asi como vuestra reberençia cre que resuçito la mañana de pascua que asi a de crer que tengo dentro de mi anima a jesucristo mi esposo asentado en mi anima como lo e diçho a vuestra reberençia tan alto y tan poderoso como esta en el çielo bajo de las espeçies sacramentales (A2 47r/v) ”

“ dijome nuestro señor esposa mia diras a tu confesor padre jesucristo mi esposo me a diçho que se transfiguro y que aquel dia conbirtio muçhos jentiles y me a diçho que dijesea vuestra reberençia que a quedado muçhos predicadores para que prediquen su ebanjelio y que a quedado sacramentos en su ylesia santa y quel dia que se transfiguro /se/ conbirtieron los jentiles (que no eran cristianos) y que aora con aber padeçido tanto y aber muerto en vna cr(o>)uç y con tantos sacramentos no quieren conbertirse los cristianos sino que estan enpedernidos en sus pecados y pecan mortalmente y no se quieren aprobeçhar de los sacramentos santos sino que sienpre me ofenden que vuestra reberençia ques predicador que lo predique (A2 47v/48r) ”

“ esposa mia diras a tu confesor padre jesucristo mi esposo me a diçho que dijese a vuestra reberençia que yo le e contenplado descubierto en la ostia consagrada y me a diçho que dijese a vuestra reberençia que sienpre esta su majestad en mi y yo estoy sienpre en el señor y que desta manera le contenplaba santa catalina de sena descubierto // padre (s>)jesucristo mi esposo me a diçho que dijese a vuestra reberençia {...} que la santa que tiene mas gloria en el çielo {...} es santa catalina de sena {...} y me a diçho el señor que yo lo dijese a vuestra reberençia que la santida y birtudes de santa catalina de sena gloriosima que las publique vuestra reberençia y a mi me a diçho el señor que las publique tanbien (A2 49v/50r) ”

“ el señor me dijo esposa mia siento muçho los pecados mortales que me cometen los saçerdotes mira como me traen aflijido y fatigado yo no queria deçir de los saçerdotes y el señor me dijo esposa mia no temas escribelo que jesus de naçareno (d>)te diçe que lo escribas y diras a tu confesor padre jesucristo mi esposo me a diçho que no temiese sino que lo escribiese y que asi como creo en los articulos de la fe y en los mandamientos de la ylesia santa asi a de crer vuestra reberençia que jesuscristo mi esposo me a diçho que escriba esto (A2 52r) ”

“ y dijome el señor esposa mia diras a tu confesor lo que yo te dire y le diras ques confesor di mi esposa a la que yo manifiesto mis secretos y muçhos tesoros çelestiales y le diras quel es teologo y que mire las letras y que te mande que escribas mis mysericordias las que podras y que las que no sabras que las escriba el y le diras questos escritos son ditados de tu esposo de jesus de naçaren (A3 153r) ”

Aber nicht nur von Christus, auch von der Muttergottes, von Agnes von Montepulciano, von Johannes dem Evangelisten und vom Heiligen Gregor wird Ana zum Schreiben aufgefordert und somit autorisiert:

“ oy me a diçho esta birjen bendita esposa de mi preçioso yjo por que no escribiste ayer las misericordias de mi preçioso yjo y mias escribelas yo no lo queria açer por ber no soy dina de reçibir tales misericordias mas por esto lo ago y tanbien por obedeçer a mi confesor (A2 53r/v) ”

“ sor ana relijiosa de mi padre san domingo diras que santa ynes poliçiana te a diçho que dijeses que la relijion del padre san domingo es vn jardin (A5 138v) ”

“ el dia de san mateo me dijo san juan ebanjelista esposa de jesucristo diras a tu confesor que san juan ebanjelista te a contado algunas cosas de la pasion de nuestro señor jesucristo (A3 158r) ”

“ açlo escribir esto que te digo dilo a petronila y diraslo a tu confesor fray darniles y la sierba de dios estaba suspensa como deçia el santo lo dijese a su confesor fray darniles porquestaba en françia abia quinçe meses y el santo la dijo escribeselo quen aberselo escrito se lo abras diçho y no dudes que soy san gregorio ynbiado por jesus naçareno (B6 143v) ”

Die Bestimmung des Geschriebenen für die Öffentlichkeit unterliegt ebenfalls der göttlichen Autorisierung:

“ y me a diçho nuestro señor diras a tu confesor questos papeles saldran cuando fuere mi boluntad y con leerlos se pondran muçhos frayles y monjas y se pondran muçhos a serbirme que aran muçho fruto en las almas cuando bean mis misericordias (A3 154v) ”

In den biographischen Fragmente erfolgt die Autorisierung zum Schreiben zunächst ebenfalls durch das Gebot des Beichtvaters: 95

“ esto que esta escrito lo mando escribir asi nuestro padre confesor (A2 39v) ”

“ la ermana sor anamaria dijo vn dia (n) a nuestra madre lo que abia bisto el sabado santo y ya el padre confesor de nuestra madre la abia mando so pena de obidiençia dijes/e/ algunas cosas a esta ermana y a sor petronila y asi dijo esta y otras cosas que yran aqui escritas cuando las dijo fue con esta condiçion que las dijo que entre que bibiese no las pudiesen descubrir ni a ningun confesor que tubiesen sino solo al padre fray antonino darniles ques quien la a mandado las dijese y quien sabe las misericordias que nuestro señor la açe y como es este padre /es/ tan espiritual y tan çeloso del bien y probeçho de las almas asi a eçho no estubiesen encubiertas las merçedes que nuestro señor açe a nuestra madre sino que la a mandado nos dijese algunas cosas como yra diçho (B2 25v/26r) ”

“ despues de aberselo muçho rogado me dijo la misericordia que nuestro señor me a eçho es que nuestra señora se me apareçido {...} el yo atreberme a esto de preguntar estas cosas a esta sierba de dios era la cavsa lo muçho que yo me olgaba de saber misericordias de nuestro señor y porquel padre confesor fray antonio darniles me abia (mantado) dado liçençia que cuando sintiese algunos señales en mi de los que yo le abia diçho tenia cuando estaba çerca desta sierba de dios y su majesta la açia algunas misericordias que era muy a menudo la preguntase me dijese que era por que asi se supiesen las misericordias del señor y a esta (su) sierba /de dios/ se lo abia mandado me lo dijese que todo era menester para que quisiese deçirlo (B1 83r/v) ”

Im Fragment B1, das entsteht, als Darnils sich vermutlich schon in Frankreich aufhält, ist die Sachlage anders. Petronila, die Autorin des Textes, schreibt offensichtlich aus eigenem Antrieb und beruft sich dabei auf sor Ana, es handelt sich also quasi um eine indirekte Autorisierung durch Gott:

“ por la boluntad de dios nuestro señor y consejo de su sierba me pareçio açer esto para gloria de nuestro señor y para nuestro consuelo (B1 65r) ”

Gegen Ende des Manuskripts wird jedoch aus dieser indirekten Autorisierung eine direkte, wenn Christus zu Ana sagt:

“ diras a petronila ques mi boluntad que fundes vn monesterio de beatas de santa catalina de sena con la propia (o) oserbançia del padre santo domingo y con muçha clavsura y dila que ya te lo rebele el dia de san matias {...} y {...} diras a petronila que todas las que tomaran abitos de beatas seran santas (B6 140v) ”

Und auch der heilige Gregor unterstützt Petronila in dieser Hinsicht:

“ açlo escribir esto que te digo dilo a petronila y diraslo a tu confesor fray darniles y la sierba de dios estaba suspensa como deçia el santo lo dijese a su confesor fray darniles porquestaba en françia abia quinçe meses y el santo la dijo escribeselo quen aberselo escrito se lo abras diçho y no dudes que soy san gregorio ynbiado por jesus naçareno (B6 143v) ”


Schluß

So könnte es gewesen sein: Anas Beichtvater Darnils hat Anamaría und Petronila den Auftrag gegeben, bei sor Ana Informationen über deren spirituelle Erfahrungen einzuholen und diese niederzuschreiben, nicht nur, weil es für ihn selber ratsam ist, sich nach der Verwarnung durch die Inquisition Ana gegenüber etwas distanzierter zu zeigen, sondern auch, weil Anamaría und Petronila durch ihre ständige Nähe zu Ana häufig Augenzeuginnen der Geschehnisse werden und ihre Zeugnisse für eine spätere vollständige Biographie Verwendung finden könnten - an Vorbildern fehlte es ihm nicht, hatte doch Raimund von Capuas Vita der größten dominikanischen Heiligen, Katharina von Siena, eine regelrechte Lawine solcher Lebensberichte heiliger Frauen nach sich gezogen.

Die beiden Frauen, Anamaría und Petronila, machen sich also gemeinsam an die Aufgabe, die Erlebnisse Anas, derer sie ansichtig werden, zu protokollieren. Diese Gemeinschaftsarbeit führt zu gewissen Schwankungen in der Erzählperspektive, da die eine gelegentlich ohne Mitarbeit der anderen schreibt und umgekehrt. Schon bald findet aber Petronila Gefallen am Schreiben, sie wird zur treibenden Kraft, und aus dem Protokoll wird ein Schreibprojekt: nachdem die Frauen mit Ana das Kloster verlassen mußten, macht sich Petronila, empört über die Vorkommnisse an die Niederschrift des Erlebten; sie schreibt nun ganz ohne Aufforderung, denn der Beichtvater ist längst nach Frankreich geflohen, aber in der Gewißheit, Gott zu Ehren zu handeln. Dabei wird sie nach und nach zur Biographin Anas, die nun nicht mehr nur festhält, was sie mit eigenen Augen gesehen hat, sondern - die Nähe zum Stil der autobiographischen Fragmente macht dies deutlich - an Anas Stelle deren Erfahrungen zu Papier bringt, um sie für die Nachwelt zu erhalten.

Die Gründe für Petronilas ‘Schreiblust’ können vielfältig sein. Zum einen spricht echte Bewunderung für die Frömmigkeit Anas aus ihren Zeilen und der Wunsch, diese publik zu machen, um durch den Vorbildcharakter andere Menschen zu mehr Religiosität zu bewegen; aber auch die Empörung über die Vorgänge bei der Klostergründung Anas, das Gefühl, dem ungerechten Gebaren der kirchlichen Institutionen hilflos ausgeliefert zu sein, werden dazu geführt haben, daß sie ihrem Herzen mit der Schreibfeder Luft macht. Ein gewisses Maß an Geltungsbedürfnis ist ihr ebenso sicher nicht abzusprechen - damit steht sie allerdings nicht alleine da, denn die meisten Beichtväter oder spirituellen Berater solch begabter Frauen, die deren Biographien verfaßten, taten dies nicht zuletzt auch, um sich ein wenig in deren Ruhm zu sonnen und aufgrund ihrer Nähe zu diesen Frauen einen Hauch ihrer Heiligkeit für sich beanspruchen zu dürfen.

Darüber hinaus ist wahrscheinlich, daß die Zeugnisse von Anas Leben einmal Grundlage für eine vollständige Biographie sein sollten, die, ergänzt durch die für eine solche Vita unabdingbaren Lebensstationen - die durch frühreife Spiritualität gekennzeichnete Kindheit und der Tod - dereinst der Propagierung von Anas Heiligkeit über lokale Grenzen hinaus und, warum nicht, der Beantragung ihrer Seligsprechung dienen sollten. Ein Plan, der zum Scheitern verurteilt war.


Bibliographie


Inquisición, libro 732. Barcelona. Relaciones de causas de fee. Desde el año de 1606 hasta el de 1620. Libro 3. Madrid: Archivo Nacional Histórico.

Alvar, Manuel (1953), El Dialecto Aragonés. Madrid: Gredos (=Biblioteca Románica Hispánica).

Amelang, James S. (1990), "Los usos de la autobiografía: monjas y beatas en la Cataluña Moderna", in: Amelang, James S./Nash, Mary (Hg.), Historia y género: Las mujeres en la Europa Moderna y Contemporánea. Valencia: Edicions Alfons el Magnànim (=Estudios Universitarios 38), 191-212.

Andrés, Melquíades (1984), "Common Denominator of Alumbrados, Erasmians, ‘Lutherans’ and Mystics: The Risk of a More ‘Intimate’ Spirituality", in: Alcalá, Angel (Hg.), The Spanish Inquisition and the Inquisitorial Mind. Columbia: Columbia University Press, 457-494.

Arenal, Electa Schlau, Stacey (1989a), Untold Sisters. Hispanic Nuns in Their Own Works. Albuquerque: University of New Mexico Press.

Arenal, Electa Schlau, Stacey (1989b), "Leyendo yo y escribiendo ella: the convent as intellectual community", in: Journal of Hispanic Philology, Vol. XIII Nr.3, 214-229.

Aspe, María-Paz (1984), "Spanish Spirituality's Mid-Sixteenth-Century Change of Course", in: Alcalá, Angel (Hg.), The Spanish Inquisition and the Inquisitorial Mind. Columbia: Columbia University Press, 421-430.

Bartlett, Anne Clark (1995), "’Ghostly Sister in Jesus Christ’: Spiritual Friendship and Sexual Politics", in: dies., Male Authors, Female Readers. Representation and Subjectivity in Middle English Devotional Literature. Ithaca/London: Cornell University Press, 86- 114.

Bell, Rudolph (1975), Holy Anorexia. Chicago/London: The University of Chicago Press.

Berschin, Helmut/Fernández-Sevilla, Julio/Felixberger, Josef (21995), Die spanische Sprache. Verbreitung, Geschichte, Struktur. Ismaning: Hueber.

Blázquez Miguel, Juan (1990), La Inquisición en Cataluña. El Tribunal del Santo Oficio de Barcelona, 1487 - 1820. Toledo: Editorial Arcano (=Serie Inquisitio, 1).

Coakley, John (1991), "Friars as Confidants of Holy Women in Medieval Dominican Hagiography", in: Blumenfeld-Kosinski, Renate/Szell, Timea (Hg.), Images of Sainthood in Medieval Europe. Ithaca/London: Cornell University Press, 222-246.

Contreras, Jaime (1987), "The Impact of Protestantism in Spain 1520-1600", in: Haliczer, Stephen (Hg.), Inquisition and Society in Early Modern Europe. London/Sidney: Croom Helm, 47-63.

Contreras, Jaime/Henningsen, Gustav (1986), "Forty-four thousand Cases of the Spanish Inquisition (1540-1700): Analysis of a Historical Data Bank", in: Henningsen, Gustav/Tedeschi, John (Hg.), The Inquisition in Early Modern Europe. Studies on Sources and Methods. Dekalb, Illinois: Northern Illinois University Press, 100-129.

De Maio, Romeo (1988), Mujer y Renacimiento. Madrid: Mondadori.

Domenge, Ana: Su autobiografía. Ms.1038, Biblioteca de la Universitat Central de Barcelona.

Donahue, Darcy (1989), "Writing Lives: Nuns and Confessors as Auto/Biographers in Early Modern Spain", in: Journal of Hispanic Philology, Vol. XIII Nr.3, 230-239.

Duby, Georges/Perrot, Michelle (1994), Geschichte der Frauen. Frühe Neuzeit. Frankfurt a.M./Wien: Büchergilde Gutenberg.

Duby, Georges/Perrot, Michelle (1993), Geschichte der Frauen. Mittelalter. Frankfurt a.M./Wien: Büchergilde Gutenberg.

Echániz Sans, María (1995), "El cuerpo femenino como encarnación de Cristo: María de la Visitación, la monja de Lisboa (s. XVI)", in: Duoda. Revista d'estudis feministes 9, Barcelona: Duoda, Centre de Recerca de Dones, 27-45.

Esteva de Llobet, Maria Dolors (1996), "Las cárceles interiores de María de Cazalla. Análisis de un proceso inquisicional", in: Lectora. Revista de dones i textualitat. Barcelona: Universitat Autònoma de Barcelona, 93-111.

Frago Gracia, Juan A. (1989), "La sinonimia textual y el proceso castellanizador de Aragón", in: Holtus, Günter/Lüdi, Georges/Metzeltin, Michael (Hg.), La Corona d'Aragó i les llengües romàniques. Miscel.lània d'homenatge per a Germà Colon. Tübingen: Narr, 215-225.

García López, José (191983), Historia de la literatura española. Barcelona: Vicens-Vives.

Garí, Blanca (1998), "’Que se embarcasen en aquella nabe de la cruz a las yndias del cielo’. La aventura autobiográfica de sor Anna Domenge", in: Oesterreicher, Wulf/Stoll, Eva/Wesch, Andreas (Hg.), Competencia escrita, tradición discursiva y variedades lingüísticas. Aspectos del español europeo y americano en los siglos XVI y XVII. Coloquio internacional de Friburgo en Brisgovia, 26-28 de septiembre de 1996. Tübingen: Narr (=ScriptOralia) (erscheint).

Garí, Blanca (1994), "El confesor de mujeres, ¿mediador de la palabra femenina en la baja edad media?", in: Medievalia 11, Barcelona: Universitat Autònoma de Barcelona, 133-141.

Grundmann, Herbert (41977), Religiöse Bewegungen im Mittelalter. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft.

Jacobson Schutte, Anne (ohne Jahresangabe), "Introduction", in: Cecilia Ferrazzi, Autobiography of an Aspiring Saint. Transcribed, translated and edited by Anne Jacobson Schutte. Chicago/London: The University of Chicago Press, 3-18.

Koch, Peter/Oesterreicher, Wulf (1985), "Sprache der Nähe - Sprache der Distanz. Mündlichkeit und Schriftlichkeit im Spannungsfeld von Sprachtheorie und Sprachgeschichte.", in: Romanistisches Jahrbuch 36, 15-43.

Koch, Peter/Oesterreicher, Wulf (1990), Gesprochene Sprache in der Romania: Französisch, Italienisch, Spanisch. Tübingen: Narr.

Lapesa, Rafael (91985), Historia de la lengua española. Madrid: Gredos.

Lorenz, Erika (1994), Teresa von Avila. Eine Biographie mit Bildern von H.N. Loose u.a. Freiburg i.Br.: Herder.

Mateu Ibars, Josefina und María Dolores (1980/1992), Colectanea paleográfica de la Corona de Aragón siglos VIII-XVIII. Barcelona: Universidad de Barcelona, 2 Bde.

Matthews Grieco, Sara F. (1994), "Modelli di santità femminile nell'Italia del rinascimento e della controriforma", in: Scaraffia, Lucetta/Zarri, Gabriella (Hg.), Donne e fede. Santità e vita religiosa in Italia. Rom/Bari: Laterza (=Storia delle donne in Italia), 303-325.

Maya Salaberria, Fr. Andrés de (1735), Vida Prodigiosa, y Admirable Exercicio de Virtudes, de la Venerable Madre Sor Martina de los Angeles y Arilla. Madrid Antonio Martin.

Monssen OP, Maria Magna (1964), Die Dominikanerinnen. Freiburg/Schweiz: Paulusverlag (=Orden der Kirche 7) .

Muñoz Fernández, Angela (ohne Jahresangabe), "Epílogo: La mujer como objeto y sujeto religioso", in: dies., Mujer y experiencia religiosa en el marco de la santidad medieval. Madrid: Al-Mudayna (=LAYA 2), 109-120.

Muñoz Fernández, Angela (1995), "Las beatas, entre el monasterio y el mundo", in: dies., Acciones e intenciones de mujeres. Vida religiosa de las madrilenas (ss. XV-XVI). Madrid: Horas y Horas (=Mujeres en Madrid), 105-121.

Muñoz Fernández, Angela (1994), Beatas y santas neocastellanas: Ambivalencias de la religión y políticas correctoras del poder (ss. XIV-XVI). Madrid: Comunidad de Madrid: Dirección General de la Mujer.

Nieto, José C. (1984), "The Nonmystical Nature of the Sixteenth-Century Alumbrados of Toledo", in: Alcalá, Angel (Hg.), The Spanish Inquisition and the Inquisitorial Mind. Columbia: Columbia University Press, 431-456.

Oesterreicher, Wulf (1994), "El español en textos escritos por semicultos. Competencia escrita de impronta oral en la historiografía indiana (s.XVI)", in: Lüdtke, Jens (Hg.), El español de América en el siglo XVI. Actas del Simposio del Instituto Ibero-Americano de Berlín, 23 y 24 de abril de 1992. Frankfurt a.M.: Vervuert, 155-190.

Perry, Mary Elizabeth (1987), "Beatas and the Inquisition in Early Modern Seville", in: Haliczer, Stephen (Hg.), Inquisition and Society in Early Modern Europe. London/Sidney: Croom Helm, 147-168.

Petroff, Elizabeth Alvilda (1993), "Male Confessors and Female Penitents: Possibilities for Dialogue", in: dies., Body and Soul: Essays on Medieval Women and Mysticism. New York/Oxford: Oxford University Press, 139-160.

Plaidy, Jean (1978), The Spanish Inquisition. London: Robert Hale.

Prosperi, Adriano (1996), Tribunali della coscienza. Inquisitori, confessori, missionari. Turin: Giulio Einaudi editore.

Rossi, Rosa (2 1997), Teresa de Avila. Biografía de una escritora. Barcelona: Icaria (=Antrazyt 89).

Santa Teresa de Jesús (1958), "Avisos de la Madre Teresa de Jesús", in: dies., Obras Completas. Madrid: Editorial Plenitud, 517-525.

Saralegui, Carmen (1992), "Aragonesisch/Navarresisch", in: Holtus, Günter/Metzeltin, Michael/Schmitt, Christian (Hg.), Lexikon der Romanistischen Linguistik (LRL), Bd. VI,1: Aragonesisch/Navarresisch, Spanisch, Asturianisch/Leonesisch. Tübingen: Niemeyer, 37-54.

Schmidt, Margot (1993), "An Example of Spiritual Friendship: The Correspondence between Heinrich of Nördlingen and Margaretha Ebner", in: Wiethaus, Ulrike (Hg.), Maps of Flesh and Light. The Religious Experience of Medieval Women Mystics. Syracuse: Syracuse University Press, 74-92.

Surtz, Ronald E. (1995), Writing Women in Late Medieval and Early Modern Spain. The Mothers of Saint Teresa of Avila. Philadelphia: University of Pennsylvania Press (=Middle Ages Series).

Valdés, Juan de (1983), Diálogo de la lengua. Edición facsímil de la edición madrileña de 1860. Barcelona: Editorial Vosgos (=Reformistas Antiguos Españoles XXII).

Vauchez, André (1991), "Lay People's Sanctity in Western Europe: Evolution of a Pattern (Twelfth and Thirteenth Centuries)", in: Blumenfeld-Kosinski, Renate/Szell, Timea (Hg.), Images of Sainthood in Medieval Europe. Ithaca/London: Cornell University Press, 21-32.

Weber, Alison (1990), Teresa of Avila and the Rhetoric of Femininity. Princeton, New Jersey: Princeton University Press.

Zarri, Gabriella (1990), "Le sante vive", in: dies., Le sante vive. Cultura e religiosità femminile nella prima età moderna. Turin: Rosenberg and Sellier, 87-163.

Zarri, Gabriella (Hg.) (1991), Finzione e santità tra medioevo ed età moderna. Turin Rosenberg and Sellier.


Alcover, Antoni Maria (21968), Diccionari Català-Valencià-Balear. Mallorca: Editorial Moll, 10 Bde.

Biblia Sacra Vulgata iuxta vulgatam versionem (21975), Stuttgart: Württembergische Bibelanstalt, 2 Bde.

Diccionari Català-Castellà/Castellà-Català (1992), Barcelona: Enciclopèdia Catalana, 2 Bde.

dtv Lexikon (1992), München: dtv, 20 Bde.

Enciclopedia Universal Ilustrada Europeo Americana. Madrid: Espasa Calpe.

Fischer OSB, Bonifatius (Hg.) (1977), Novae Concordantiae Bibliorum Sacrorum iuxta vulgatam versionem critice editam. Stuttgart/Bad Canstatt: Frommann- Holzboog, 5 Bde.

Gorys, Erhard (1997), Lexikon der Heiligen. München: dtv.

Gurst, Günter/Hoyer, Siegfried/Ullmann, Ernst/Zimmermann, Christa (1989), Lexikon der Renaissance. Leipzig: VEB Bibliographisches Institut.

Lexikon des Mittelalters (1980), München/Zürich: Artemis.

Nova Vulgata Bibliorum Sacrorum Editio (1992), Vatikan: Libreria Editrice Vaticana.

Nueva Enciclopedia Larousse en 10 volúmenes (1980), Barcelona/Madrid: Planeta.

Real Academia Española (RAE) (Hg.) (1963), Diccionario de Autoridades. Edición facsímil de la de 1726. Madrid: Gredos, 3 Bde.

Riquer, Martí de (Hg.) (1943), Sebastián de Covarrubias: Tesoro de la Lengua Castellana o Española. Edición según la impresión de 1611, con las adiciones de Benito Remigio Noydens publicadas en la de 1674. Barcelona.

Sargatal i Pellizquer, Ramón (1996), Diccionari dels Sants. Barcelona: Edicions 62.

Slaby, Rudolf J./Grossmann, Rudolf (31975), Wörterbuch der spanischen und deutschen Sprache. Wiebaden: Brandstetter, 2 Bde.

Vox. Diccionario manual ilustrado de la lengua española (131988), Barcelona: Bibliograf.


S.11: Spanische Inquisition. Von Franz Hogenberg. Gezeigt sind verschiedene Szenen eines Autodafés in Valladolid 1559. Aus Lorenz 1994: 35.

S.52: Kopf der Muttergottes. Detail aus dem Gemälde „Die Heilige Familie mit der heiligen Anna“ von El Greco. Aus Lorenz 1994: 47.

S.82: Christus übergibt Teresa einen Kreuznagel. Gemälde aus dem 18. Jahrhundert. Aus Lorenz 1994: 57.

S.111: Die Märtyrerin Katharina. Skulptur aus dem Magdeburger Dom, um 1250.

S.117: Teresa von Avila. Anonymes Portrait aus dem 17. Jahrhundert. Aus Lorenz 1994: 61.

S.133: Die heilige Katharina von Siena. Illustration aus einer Ausgabe von De Legenda Maior von Raimund von Capua, Barcelona 1993.

S.149: Der heilige Joseph mit dem Jesuskind. Altarbild von El Greco. Aus Lorenz 1994: 71.

S:170: Der heilige Dominik. Aus Gorys 1997: 88.

S.201: Teresa von Avila beim Schreiben eines Buches. Portrait von Diego Rodríguez de Silva y Velázquez (1599-1660). Aus Lorenz 1994: 103.

1 Das Kolloquium wurde vom 26. bis 28. September 1996 veranstaltet vom Teilprojekt B9 „Nähesprachlich geprägtes Schreiben in der Kolonialhistoriographie Hispanoamerikas (16. Jh.)“ des SFB 321 „Übergänge und Spannungsfelder zwischen Mündlichkeit und Schriftlichkeit“, gefördert von der Deutschen Forschungsgemeinschaft.

2 Garí 1998.

3 Die Autobiographie der Ana Domenge wird erwähnt in einem Aufsatz von James Amelang (Amelang 1990). Er schreibt unter anderem, Ana habe den Text während ihrer Haft im Gefängnis der Inquisition diktiert und sie sei erst 1612 aus der Haft entlassen worden - beide Aussagen sind unhaltbar und machen deutlich, daß er offensichtlich nur die ersten Seiten des Textes gelesen hat. Dennoch ist die vorliegende Edition der Aufzeichnungen Anas letztlich James Amelang zu verdanken, denn Blanca Garí war durch seinen Aufsatz auf das Manuskript gestoßen.

4 Zarri 1991.

5 Der Begriff der beata entspricht in ungefähr dem in Mitteleuropa geläufigeren Begriff der Begine.

6 Eine eingehende Untersuchung über beatas in Neukastilien findet sich in Angela Muñoz 1994, 1995; zu beatas in Sevilla Perry 1987; einen Ansatz für die Untersuchung des Phänomens in Katalonien bietet Amelang 1990.

7 Zur Entstehung und Organisation des dominikanischen Drittordens vgl. Monssen OP 1964: 137ff.

8 Vgl. zu diesem Thema auch Matthews Grieco 1994.

9 Bell 1975. Zu den religiösen Bewegungen im Mittelalter vgl. Grundmann 1977, Vauchez 1991.

10 Vgl. Contreras 1987, 1986; Henningsen 1986.

11 Zur Bewegung der alumbrados vgl. Andrés 1984; Aspe 1984; Nieto 1984; Weber 1990.

12 Zum Prozeß gegen María Cazalla vgl. Esteva 1996.

13 Vgl. dazu Andrés 1984; Aspe 1984.

14 Vgl. zu diesem Thema allg. Zarri 1991; Einzelfälle bei Echániz 1995; Jacobson Schutte. Die Schicksale solcher falsas santas sind vor allem aus den Akten der Inquisition bekannt. In den meisten Fällen liegt ein Geständnis vor, das den Betrug bestätigt. Oft genug wurden diese Geständnisse aber in den Folterkammern der Inquisition mit grausamen Methoden erpreßt, weswegen solche Urteile m.E. mit Vorsicht zu genießen sind. Sicher nicht zutreffend sind die Aussagen in Plaidy 1978: 339-357, der pauschal urteilt, daß alle Visionärinnen entweder Betrügerinnen oder aber hysterisch waren und gerne unter dem Deckmäntelchen der Frömmigkeit ein ausschweifendes Leben geführt hätten. Plaidys Vorgehen ist zudem höchst unwissenschaftlich, da er in keinem einzigen Fall eine Quelle für seine Behauptungen preisgibt.

15 Rossi 1997: 11.

16 Vgl. Garí 1998.

17 Vgl. auch Donahue 1989: 231.

18 Vgl. auch Surtz 1995.

19 Über die Beziehung zwischen Beichtvater und –tochter vgl. Coakley 1991; Garí 1994; Petroff 1993; Schmidt 1993; Bartlett 1995.

20 García López 1983: 234.

21 Vgl. zu diesem Thema für Teresa de Avila Rossi 1997; Weber 1990; allgemeiner Arenal/Schlau 1989a: 15f, 1989b; Donahue 1989: 231ff.

22 Zum Zeitpunkt des Prozesses war sie etwa 40 Jahre alt: ‘Sor Anna Domenge, beata del abito de Santo Domingo, natural de Perpinan, de hedad de hasta quarenta años’, Inquisición libro 732: 1609 causas pendientes Fol. 95r. Ich danke Prof. Blanca Garí für die Bereitstellung ihrer Transkription der entsprechenden Abschnitte aus den Akten der Inquisition

23 Hier ergibt sich schon die erste zeitliche Ungereimtheit: in den Akten der Inquisition wird die Aufnahme des Prozesses für das Jahr 1609 angegeben, Anas Bericht beginnt aber mit den Worten: ‘yo fui a la santa ynquisiçion en el año 1610’ (A1, 2r). Ana gibt den Tag ihrer Entlassung als den 25. Januar 1610 an, insofern ist es möglich, daß die mündliche Hauptverhandlung erst im Januar stattgefunden hat und Ana sich bei der Jahresangabe auf diesen Termin bezieht. Auch das Urteil gegen Darnils, der ja zur gleichen Zeit wie Ana von der Inquisition zur Rechenschaft gezogen wird, fällt erst im Januar 1610.

24 Die Zitate aus dem Bericht der Ana Domenge werden hier und in der gesamten Arbeit nur noch durch die Angabe des Entsprechenden Textteils und der Folioangabe (recto oder verso) gekennzeichnet. Wegen der Transkriptionskriterien in den Zitaten siehe Kap.II.2.2. Textfremde Einschübe oder Auslassungen sind zwischen {geschweifte Klammern} gesetzt.

25 Die comisarios der Inquisition waren Personen in den verschiedenen Ortschaften, die Denunziationen entegennahmen und die erste Beweisaufnahme machten, um diese dann an das Inquisitionsgericht weiterzuleiten. Sie hatten jedoch keine Verhaftungsbefugnis. Vgl. Blázquez Miguel 1990: 102f.

26 Inquisición libro 732: 1609 causas pendientes Fol. 95r.

27 Inquisición libro 732: 1609 causas pendientes Fol. 95r.

28 Inquisición libro 732: 1610 causas despachadas Fol. 97r/v.

29 Inquisición libro 732: 1610 causas despachadas Fol. 97r.

30 Inquisición libro 732: 1610 causas despachadas Fol. 97v.

31 Hipólita Rocabertí (1549-1624) stammte aus einer adligen katalanischen Familie und trat mit 11 Jahren in den Dominikanerorden ein. Sie hatte ebenso wie Ana zahlreiche Visionen und mystische Erlebnisse, die sie in Barcelona bekannt machten und die sie auch niederschrieb. Nach ihrem Tode wurden ihre Werke von ihrem Neffen in einer Gesamtausgabe von 24 (!) Bänden herausgegeben. Vgl. Amelang 1990: 193s.

32 Inquisición libro 732: 1610 causas despachadas Fol. 97r.

33 Inquisición libro 732: 1619 causas despachadas Fol. 433r.

34 Inquisición libro 732: 1619 causas despachadas Fol. 433r/v.

35 Siehe Textfragment F3.

36 Inquisición libro 732: 1619 causas despachadas Fol. 434v.

37 Zur Einteilung in Textfragmente siehe Kap.2.3.

38 Zur Bestimmung dieser wie der folgenden Schrifttypen vgl. Mateu Ibars 1980. In der Regel gilt, daß die paläographischen Handbücher zwar voll sind von Schriftbeispielen, wenn es jedoch um die Benennung und Charakterisierung der verschiedenen Schrifttypen geht, sind die Autoren mit Informationen jedoch sehr zurückhaltend. Ich möchte an dieser Stelle noch einmal Ignasi Baiges meinen Dank für seine Hilfe bei den folgenden Ausführungen über die Schriften des Manuskripts aussprechen.

39 griechische Symbol

40 griechische Symbol

41 Teilprojekt B9 ‘Nähesprachlich geprägte Schreibkompetenz in der Kolonialhistoriographie Hispanoamerikas (1500-1615)’ unter der Leitung von Prof. Dr. Wulf Oesterreicher im Rahmen des Sonderforschungsbereichs 321 ‘Übergänge und Spannungsfelder zwischen Mündlichkeit und Schriftlichkeit’ an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, gefördert durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft vom 01. Januar 1990 bis 31. Dezember 1996. Auch meine Transkriptionskonventionen beruhen im wesentlichen auf denen, die im Projekt B9 erarbeitet wurden.

42 Mein Dank geht auch an Dr. Fernando Domínguez vom Raimundus-Lullus-Institut der Universität Freiburg für seine wertvollen Hinweise diesbezüglich.

43 Vgl. Inquisición, libro 732, Archivo Histórico Nacional, 1609 Causas pendientes, Fol. 95r.

44 Inquisición, libro 732, Archivo Histórico Nacional, 1610 Causas despachadas, Fol. 97r.

45 In B1, Fol. 71r wird sogar explizit darauf Bezug genommen, daß über die Haussuche schon in Fragment B2 auf den Folios 26v und 27r berichtet wurde: ‘porque desto ya esta escrito en otra parte no se diçe mas’.

46 Siehe Anna Domenge Vida Espiritualhttp://www.ub.edu/duoda/bvid/index.html

47 Siehe Anna Domenge Vida Espiritualhttp://www.ub.edu/duoda/bvid/index.html

48 Siehe Anna Domenge Vida Espiritualhttp://www.ub.edu/duoda/bvid/index.html

49 Siehe Anna Domenge Vida Espiritualhttp://www.ub.edu/duoda/bvid/index.html

50 Vgl. zu diesem Thema auch Garí 1998.

51 Es war in Frauenkonventen durchaus üblich, die Biographie einer besonders begabten Mitschwester in Gemeinschaftsarbeit zu verfassen. Vgl. Donahue 1989: 236ff.

52 Amelang 1990: 192 behauptet, Ana habe das gesamte Manuskript in ihrer Zeit im Gefängnis der Inquisition diktiert. Diese Aussage ist haltlos und zeigt, wie eingangs dieser Arbeit schon erwähnt, daß Amelang lediglich die ersten Seiten des Manuskripts überflogen hat.

53 Zu den Begriffen ‘mediale’ und ‘konzeptionelle Schreibkompetenz’ vgl. Koch/Oesterreicher 1985, 1990.

54 Vgl. auch Lapesa 1985: 476.

55 Auch dieser Bericht ist nicht ediert. Ms. 6 der Bibliothek der Universitat Central Barcelona (BUB).

56 vgl. Berschin et.al. 1995: 56ff.

57 Valdés 1983: 34

58 Frago Gracia 1989: 224. Vgl. auch Saralegui 1992:39.

59 Alvar 1953: 134ff; Lapesa 1985: 494; Saralegui 1992: 42.

60 Vgl. Saralegui 1992: 50.

61 Vgl. Alvar 1953: 156; Saralegui 1992: 45.

62 Vgl. Alvar 1953: 225f; Lapesa 1985: 494; Saralegui 1992: 48.

63 Vgl. Alvar 1953: 293; Lapesa 1985: 496; Saralegui 1992: 49.

64 Vgl. Berschin 1995: 59; Lapesa 1985: 495.

65 Vgl. Alvar 1953: 208; Saralegui 1992: 47.

66 Vgl. Alvar 1953: 301.

67 Vgl. Alvar 1953: 287; Lapesa 1985: 494; Saralegui 1992: 47. Für das Katalanische wäre diese Verwendung korrekt, da das Objektpronomen der 2. Person ‘tu’ lautet (amb tu, per tu, etc.). Für die Verwendung des Subjektpronomens der 1. Pers. mit Präposition (con yo, para yo) finden sich keine Beispiele.

68 Vgl. Alvar 1953: 285f; Berschin 1995: 59; Saralegui 1992: 48.

69 Vgl. Alvar 300f. Der Gebrauch dieser Präpositionen weicht im Katalanischen stark vom Spanischen ab.

70 Vgl. Berschin 1995: 59; Lapesa 1985: 496.

71 Diese Lexeme sind nicht im Diccionario de Autoridades von 1726 (RAE 1963) aufgeführt

72 Das Katalanische kennt, im Gegensatz zum Spanischen, das zwischen oreja und oído unterscheidet, nur das Lexem orella. Die Verwendung von venir und ir (kat. anar) ist im Katalanischen und Spanischen ebenfalls unterschiedlich.

73 Als Vergleichsbasis diente mir das Diccionario de Autoridades von 1726 (RAE 1963).

74 Vgl. Berschin 1995: 62ff. Die Graphien des Manuskripts sind eher phonetisch orientiert und lassen daher gewisse Rückschlüsse auf die Lautung zu, sofern man diese mit der notwendigen Zurückhaltung zieht.

75 Zu untersuchen bleibt die syntaktische Gestaltung des Textes, die sicherlich weitere Schlüsse zuläßt.

76 Vgl. Lapesa 1985: 476. Die einzige Ausnahme bildet ‘farça’ farsa (A1 11r)

77 Vgl. Berschin 1995: 55

78 Vgl. Lapesa 1985: 478.

79 Vgl. Lapesa 1985: 476.

80 Bei der Verwendung der männlichen Objektpronomina läßt sich keine einheitliche Linie ausmachen; wir finden hier alles von leísmo de cosa, also der Verwendung des Pronomens le auch für Gegenstände, bis zu loísmo de persona, der Verwendung des Pronomens lo für ein indirektes männliches Objekt.

81 Vgl. stellvertretend Berschin 1995: 194f; Lapesa 1985: 406.

82 Alvar 1953: 287f.

83 Vgl. dazu Oesterreicher 1994. Eine detaillierte Beschreibung der nähesprachlichen Züge ist hier leider nicht möglich.

84 Ich möchte an dieser Stelle Ma Soledad Hernández Cabrera, Doktorandin an der Fakultät für Geschichte der Universitat Central Barcelona, ganz herzlich dafür danken, daß sie mir den Hinweis auf die Erwähnung Petronilas gegeben und mir darüber hinaus auch eine Fotokopie dieses Buches zur Verfügung gestellt hat.

85 de Maya Salaberria 1735: 3.

86 Maya Salaberria 1735: 232ff. Hervorhebung von mir.

87 Dieser Antrag wurde letztlich nie gestellt: nach Auskunft des Biographen Martinas starb der Emissär auf dem Weg nach Rom, so daß die Unterlagen nie im Vatikan ankamen. Ein zweiter Versuch, einen solchen Antrag durchzubringen, scheiterte daran, daß das Schiff, das die Dokumentation nach Italien transportieren sollte, unterging. Diese letzte Information stammt von sor María Cinta, der heutigen Archivarin des Dominikanerinnenkonvents Montesión in Esplugas de Llobregat (Barcelona), aus dessen Bibliothek das Buch stammt.

88 de Maya Salaberria 1735: Prologo al Letor.

89 de Maya Salaberria 1735: 3.

90 de Maya Salaberria 1735: 104.

91 de Maya Salaberria 1735: 149.

92 Die Möglichkeit, daß dieser durchgängige laísmo bei der Edition des Textes hineinredigiert worden ist, kann man, denke ich, außer acht lassen.

93 Vgl. dazu auch Garí 1998, Donahue 1989: 238.

94 Über die Beziehung zwischen Beichtvater und Beichttochter vgl. auch Garí 1994, Coakley 1991.

95 Eine solche Aufforderung des Beichtvaters war nichts Außergewöhnliches. In Donahue 1989: 236 finden sich weitere Beispiele dafür.

Creative Commons License
Esta obra tiene licencia Creative Commons Reconocimiento-NoComercial-CompartirIgual 3.0 España (CC BY-NC-SA 3.0).

Una versión imprimible de este texto está disponible para su descarga. Reconocimiento de autoría, edición y fuente es necesaria para su uso, reutilización o difusión.

[ocultar] Elisenda Padrós Wolff (Español)

Elisenda Padrós Wolff

Nació en Ulm (Alemania) en abril de 1967. Es licenciada en filología por la Universidad de Freiburg (Alemania). Generalmente trabaja en una empresa de venta por correspondencia. Sin embargo, de vez en cuando se escapa para disfrutar de otros proyectos: por ejemplo participar en el congreso de hispanistas o traducir libros de Ramon Llull al alemán (el Libre de Sancta Maria y la Doctrina pueril). El trabajo presentado aquí en la Biblioteca Virtual de Investigación Duoda se basa en su tesis de licenciatura.


[abrir] Tesauro (extracción automática)
[abrir] Lugares (extracción automática)
[abrir] Fechas (extracción automática)